Eine gut 70-minütige Fahrt von Berlin entfernt, wartet in der Dorfkirche Kampehl eine echte Sensation auf euch. Der märkischer Ritter Christian Friedrich von Kahlbutz, der 1702 im Alter von 51 Jahren verstarb, liegt hier in seiner Gruft – und zwar als extrem gut erhaltene Mumie.
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Dorfkirche Kampehl in Brandenburg: Die schaurige Mumie des Ritters von Kahlbutz

Der Mythos besagt, dass Kahlbutz einen Schäfer erschlagen haben soll. Das Opfer war der Hirte Pickert aus dem Nachbarort Bückwitz. Der Adlige soll bei Pickerts Braut, der Magd Maria Leppin, das umstrittene „Recht der ersten Nacht“ eingefordert haben.
Da Maria ihn abwies und der Schäfer seine Verlobte beschützte, soll der wütende Ritter seinen Kontrahenten kurzerhand ermordet haben. Vor Gericht schwor der Adlige jedoch einen dreisten Meineid: „Wenn ich der Mörder bin, soll mein Leichnam niemals verwesen!“
Als der letzte Erbe der Familie von Kahlbutz verstarb, öffnete man 1794 die Gruft der Dorfkirche. Während die Leichname aller anderen Familienmitglieder zu Staub zerfallen waren, lag Christian Friedrich unversehrt in seinem Sarg.
Im Laufe der Jahrhunderte musste die Mumie einiges mitmachen: Napoleons Soldaten sollen die Mumie 1806 aus ihrem Sarg geholt und als makabren Scherz an die Kirchentür gestellt haben. Auch für die Dorfjugend diente Kahlbutz über Generationen hinweg als gruselige Mutprobe.
Durch das Glas der Vitrine starrt euch ein ledriger, kahlköpfiger Körper entgegen. Von seinen ursprünglichen 70 kg zu Lebzeiten bringt der gute Ritter heute nur noch 10 kg auf die Waage.
Was die Wissenschaft zur Gruft-Mumie sagt

Kürzlich lag der Herr von Kahlbutz im Computertomografen eines Krankenhauses. Das ärztliche Fazit fiel nüchtern aus: Die dauerhafte Zugluft und extreme Trockenheit in der Patronatsgruft haben den Körper über die Jahrhunderte ganz natürlich austrocknen lassen. Medizinische Analysen zeigen, dass der Ritter an starken Auszehrungskrankheiten litt, was seinem Körper vor dem Tod viel Feuchtigkeit entzog und die rasche Mumifizierung begünstigte.
Für Kopfschütteln bei der Untersuchung sorgten die Röntgenbilder dennoch: In der Brust der Mumie steckte ein alter Bleistift – offenbar ein derber Spaß früherer Gruftbesucher.
Lohnt sich der Ausflug für Gänsehaut-Fans?
Für alle, die dunkle Geheimnisse und bizarre Orte lieben, ist Kampehl Pflichtprogramm. Der Trip lässt sich außerdem perfekt mit einem ausgiebigen Spaziergang durch die ländliche Ostprignitz oder einem Abstecher ins nahegelegene Brandenburgische Haupt- und Landgestüt Neustadt verbinden.
Mit dem Auto fahrt ihr über die B5 und seid ab der Berliner Stadtgrenze in etwas über einer Stunde am Ort des Geschehens. Mit den Öffis setzt ihr euch in den RE2 bis Neustadt (Dosse) und spaziert die restlichen 2 km ins kleine Nachbardorf.
📍 Gruft in der Dorfkirche Kampehl
📆 Hauptsaison Do–So 11–16 Uhr
⏳ ca. 30 Minuten
💵 Erwachsene 3 €, Kinder ab 6 Jahren 1 €
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