Ein paar Kilometer nördlich von Berlin verbirgt sich ein Ort, der jahrzehntelang auf keiner normalen Landkarte der DDR zu finden war: In der Waldsiedlung Wandlitz schottete sich die Führungsebene der SED von der Bevölkerung ab.
Doch was ist dran am Mythos des dekadenten Luxus, und was erwartet euch an diesem historisch aufgeladenen Ort vor den Toren der Hauptstadt? Wenn ihr Lust habt, mehr dunkle Geheimnisse aufzudecken, könnt ihr euch dieses tolle Erlebniss anschauen!
So entstand „Volvograd“ a.k.a. die Waldsiedlung Wandlitz

Nach dem Volksaufstand vom 17. Juni 1953 wollte die SED-Führung maximale Sicherheit. Ab 1958 entstand daher in einem dichten Waldstück bei Bernau (streng genommen gar nicht in der Gemeinde Wandlitz) eine schwer bewachte, geheime Wohnanlage für die Mitglieder und Kandidaten des Politbüros.
Die Waldsiedlung Wandlitz war durch zwei getrennte Sicherheitszonen abgeschirmt:
- Der Außenring: Ein weitläufiger Maschendrahtzaun im Wald, der mit Schildern („Wildforschungsgebiet“) bestückt war. Hier patrouillierten bewaffnete Posten des Stasi-Wachregiments „Feliks Dzierzynski“.
- Der Innenring: Eine rund 2 km lange, stark gesicherte Betonmauer, die das direkte Wohngebiet der SED-Führung umschloss.
Hier lebten die Funktionäre in einer isolierten Parallelwelt. Im Volksmund wurde das Areal spöttisch „Volvograd“ genannt. Der Grund: Der Fuhrpark der Führung bestand bevorzugt aus schwedischen Luxuskarossen. Innerhalb der Mauern genossen die Bewohner unzensiertes Westfernsehen, eine eigene Poliklinik und Zugang zu exquisiten (West-) Waren.
Haus 11: So wohnten Erich und Margot Honecker

Das prominenteste Gebäude der Siedlung ist das Haus 11. Es war der Wohnsitz von Staats- und Parteichef Erich Honecker und seiner Frau Margot.
Aber das Haus war kein pompöser Palast. Im internationalen Vergleich staatlicher Residenzen wirkt das Haus mit seiner Biederkeit bescheiden. Das Domizil der Honeckers gleicht einem großbürgerlichen Einfamilienhaus im Stil westdeutscher Vorstädte der 60er und 70er Jahre.
Mit rund 400 qm Wohnfläche, einem großzügigen Kaminzimmer und modernster West-Technik in der DDR-Küche war es für damalige Verhältnisse trotzdem luxuriös.
Das Gelände heute: Zwischen Reha-Klinik und Geschichte

Von der abgeschotteten Funktionärs-Festung ist heute nicht mehr viel zu spüren. Nach der Wende 1989 erhielt das Areal eine neue Bestimmung. Heute befindet sich auf dem weitläufigen Gelände die Brandenburgklinik, ein Rehabilitationszentrum.
Das riesige Waldgelände ist für die Öffentlichkeit frei zugänglich und ein spannendes Ziel für einen Ausflug. Das könnt ihr heute dort machen:
- Den Historischen Pfad erkunden: Über das gesamte Gelände sind Infostelen verteilt, die die Geschichte der einzelnen Gebäude detailliert erklären.
- Auf Spurensuche gehen: Honeckers ehemaliges Haus 11 (heute ein Gebäude der Klinikverwaltung) und andere Wohnhäuser existieren noch und lassen sich von außen besichtigen.
- Natur und Geschichte verbinden: Die ruhigen Waldwege auf dem Gelände lassen sich perfekt mit einer Radtour oder einer Wanderung zum nahegelegenen, malerischen Liepnitzsee kombinieren.
So kommt ihr in die Waldsiedlung Wandlitz (keine Angst, ihr müsst nicht durch den Wald!)

Öffis: Mit der S2 oder dem RE3 bis zum Bahnhof Bernau. Von dort aus fährt die Buslinie 894 (Richtung Wandlitz) in knapp 15 Minuten zur Haltestelle Bernau, Brandenburgklinik.
Auto: Nehmt die A11 in Richtung Prenzlau bis Wandlitz (Ausfahrt 16) und folgt der B273 in Richtung Bernau. Nach wenigen Kilometern ist die Brandenburgklinik / Waldsiedlung (Brandenburgallee 1, 16321 Bernau bei Berlin) ausgeschildert.
Tipp für Aktive: Von Pankow aus lässt sich die Strecke auch wunderbar als Fahrradtour (ca. 20–25 km) zurücklegen!