In Berlin-Pankow, genauer gesagt auf der Beuthstraße 6/7, in der Nähe des Broseparks, steht ein zunehmend verfallendes Gebäude mit einer langen Geschichte. Ein ikonischer Ort unter den Lost Places der Stadt, denn Berlin hat davon viele – von ehemaligen Hochsicherheitslaboren über frühere NSA-Abhörstationen bis hin zu verbotenen Städten in Stadtnähe. Die Auswahl für Abenteuerlustige ist groß, und nun haben wir ein ganz besonderes Ziel: Das ehemalige bulgarische Konsulat. Es diente zu DDR-Zeiten offiziell diplomatischen und konsularischen Zwecken, wie etwa der Außenwirtschaftsförderung und der Betreuung bulgarischer Bürger in der DDR. Doch es erfüllte auch eine weitere, wichtige Funktion, die dem heutigen „Geisterkonsulat“ seinen Ruf einbrachte.

Die Funktion des Konsulats und sein Geheimtunnel
Neben seinen bekannten Funktionen wurde das bulgarische Konsulat auch für streng geheime Zwecke eingesetzt, die zu dieser Zeit nicht bekannt waren. In enger Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Staatssicherheit (MfS, die Stasi) wurden DDR-Bürger überwacht, um Fluchtversuche zu verhindern.
Und wie wurde diese Beobachtung durchgeführt? Durch einen Geheimtunnel, der erst vor zwei Jahren, im Jahr 2023, von einem Urban Explorer überraschenderweise entdeckt wurde. Bei seiner Erkundung des verlassenen Gebäudes entdeckte er in einem Kellerraum, ausgestattet mit einem Kamin und kunstvollen Deckenelementen, eine Miniatür, die in eine Betonröhre führte. Diese Röhre erwies sich als Kriechtunnel, gerade groß genug, damit ein Erwachsener auf allen Vieren hindurchkriechen kann. Es lässt sich annehmen, dass dort über 30 Jahre niemand mehr hineingegangen war.
Durch den Geheimtunnel gelangte man zu einem gemauerten Schacht mit Leitersprossen, über den man durch eine Metallklappe ins Freie – direkt in den Bosepark – gelangen konnte. Von dort aus war es möglich, heimliche Beobachtungen auf Straßen, Wege und Umgebung durchzuführen. Ein schnelles und unauffälliges Betreten und Verlassen des Konsulats war so möglich, ohne dass die Öffentlichkeit aufmerksam wurde. Auch das Aufstellen von Kameras oder Ferngläsern, ohne die Fassade des Konsulats zu gefährden, konnte durch den Tunneldurchgang erfolgen. Beobachtungsdaten von DDR-Bürgern mit Fluchtplänen konnten so direkt an das Konsulat zurückgemeldet oder an das MfS weitergeleitet werden.

Heutige Funktion und Nutzung
In Berlin gibt es seit den 1980er Jahren ein neues bulgarisches Konsulat auf der Mauerstraße 11 im Stadtteil Mitte. Das ehemalige Konsulat dagegen ist ein Geisterhaus geblieben, das zunehmend verfällt. Auf einer Fläche von rund 2.960 Quadratmetern steht es seit 2014 unter Denkmalschutz. Trotz seiner Lage in einem ruhigen Wohngebiet bleibt das Gebäude ungenutzt, ohne geplante Sanierungs- oder Nutzungsvorhaben. Die Architektur ist von Verfall und Vandalismus geprägt und gilt als einsturzgefährdet. Das Grundstück bleibt ein Relikt aus den Zeiten des Kalten Krieges und ein bedeutendes Beispiel für die Geschichte der DDR-Diplomatie. Es befindet sich im Eigentum der Republik Bulgarien und darf nicht betreten werden.