Wer an Halloween Grusel sucht, muss nicht in einen Geisterbahnhof oder gar ins falsche Berlin. Es reicht ein Ausflug nach Lichterfelde, in die feuchtwarme Welt des Botanischen Gartens. Dort wächst ein Gewächs wie aus einem Horrorfilm: die Titanwurz, Amorphophallus titanum.
Wenn die Titanwurz (auch „Leichenblume“) blüht, verströmt sie einen Geruch nach verwesendem Fleisch, faulen Eiern und altem Käse. Also ab in den botanischen Garten! Und wenn ihr euren Halloween-Ausflug die Krone aufsetzten wollt, warum nicht zu diesem gruseligen Konzert?
Die Titanwurz im Botanischen Garten Berlin: Ein Duft wie aus einem kaputten Kühlschrank

Die Titanwurz besitzt den größten unverzweigten Blütenstand der Welt. Er kann auf bis zu 3 Meter in die Höhe schießen (s. Titelbild oben aus Bonn), umhüllt von einem tiefroten, samtigen Hochblatt, das an einen Vampirumhang erinnert.
Ungleich einem Vampir, ist die Pflanze aber sehr warm. Damit sich der Duft weit verbreitet, heizt sich der Blütenkolben auf Temperaturen nahe der menschlichen Körperwärme (ca. 36° Celsius) auf. Vielleicht ein Vampir mit Fieber…
Extrem selten, schwer und schüchtern

In ihrer Heimat, den Regenwäldern Sumatras, lockt die Pflanze mit diesem Gestank Aaskäfer und Fliegen an, die sie bestäuben sollen. Die Pflanze bildet zunächst nur ein einziges riesiges Blatt aus, zieht es wieder ein und speichert Kraft in einer gewaltigen Knolle, die über 100 kg wiegen kann.
Wann sie blüht, lässt sich kaum vorhersagen. Zwischen Blütezeiten liegen oft viele Jahre. Und dann dauert das Spektakel nur kurz: Die Blüte öffnet sich meist nur für etwa 3 Tage und fällt danach in sich zusammen. Zuletzt blühte die Berliner Titanwurz im Juni 2025 mit einer Rekordhöhe von 2,36m.
Warum wir den Botanischen Garten in Berlin so lieben
Der Botanische Garten Berlin zählt zu den bedeutendsten seiner Art weltweit. Im Großen Tropenhaus, einem der höchsten Gewächshäuser Europas, finden Tropenpflanzen ideale Bedingungen. Hier fühlt sich die Titanwurz wohl.
Wenn sie sich zur Blüte aufmacht, strömen Hunderte Neugierige herbei. Der Garten informiert dann über seine Website und die Social-Media-Kanäle (s. oben), und bei Bedarf werden die Öffnungszeiten verlängert, damit möglichst viele das Schauspiel erleben können.
Tipps für euren Besuch
- Vorab informieren: Ob eine Titanwurz gerade blüht oder Knospen zeigt, erfährt man am besten direkt beim Botanischen Garten. Aber auch ohne Blüte lohnt sich der Besuch.
- Früh kommen: Bei einer Blüte bilden sich lange Schlangen, und der Zeitraum ist knapp.
- Nase bereithalten: Wer empfindlich ist, steht besser nicht direkt am Kolben.
- Mit Kindern: Das Thema Gestank kommt bei den Kleinen erfahrungsgemäß hervorragend an.
Ob mit oder ohne Blüte: Ein huldigender Ausflug zur Königin des stinkenden Todes lohnt sich besonders an Halloween allemal.