Wenn es um die öffentlichen Verkehrsmittel in Berlin geht, gibt es ständig Neues – und genauso ständig neue Klagen. Verspätungen oder sogar komplette Einstellungen beliebter Linien, wie dem Kulturzug von Berlin nach Breslau mit seinem Kulturprogramm an Bord, oder dem ÖBB Nightjet nach Paris, für den es nun vielleicht doch wieder Hoffnung gibt. Doch das allein macht das Berliner Verkehrsnetz nicht aus. Viele U-Bahnstationen tragen weit mehr Geschichte in sich, als man auf den ersten Blick ahnt. Während es heute Projekte gibt, bei denen man zu Techno und DJ-Sets auf die nächste Bahn wartet, waren es früher ganz andere Vorhaben. So ist der U-Bahnhof Pankstraße ein voll ausgestatteter Atombunker, der im Kriegsfall Platz für bis zu 3.300 Menschen bot und während des Kalten Krieges errichtet wurde. Und auch der heute belebte U-Bahnhof Nordbahnhof war einst ein Ort mit ganz anderer Bedeutung – einer der berüchtigten „Geisterbahnhöfe“ jener Zeit. Lest hier weiter für alle Details!

Der U-Bahnhof Nordbahnhof gehört zu den geschichtsträchtigsten Orten im Berliner Untergrund. Er liegt im Ortsteil Mitte und ist Teil der U-Bahnlinie U6, die von Alt-Tegel im Norden bis Alt-Mariendorf im Süden verläuft. Eröffnet wurde die Station am 8. März 1923, damals unter dem Namen Stettiner Bahnhof. Der Name bezog sich auf den gleichnamigen Fernbahnhof darüber, von dem aus Züge in die damals preußische Stadt Stettin (heute Szczecin, Polen) fuhren. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Bahnhof teilweise zerstört, später wiederhergestellt und 1951 in Nordbahnhof umbenannt.
Mit dem Bau der Berliner Mauer im August 1961 änderte sich die Bedeutung des Bahnhofs jedoch grundlegend. Die U6 verband West-Berliner Stadtteile, verlief dabei aber auch unter Ost-Berliner Gebiet, unter anderem unter der Invalidenstraße und der Brunnenstraße. Der U-Bahnhof Nordbahnhof lag somit im Ostsektor, während die Linie selbst zu West-Berlin gehörte. Er wurde von DDR-Grenztruppen übernommen, streng überwacht und stillgelegt. Die Züge aus West-Berlin fuhren nur noch langsam und ohne Halt durch die dunkle Station. Die Beleuchtung war gedämpft, nur bewaffnete Wachen patrouillierten auf den Bahnsteigen. Im Volksmund wurden solche stillgelegten Stationen „Geisterbahnhöfe“ genannt. Insgesamt gab es 16 dieser Bahnhöfe, darunter Oranienburger Tor, Stadtmitte, Bernauer Straße, Jannowitzbrücke und Potsdamer Platz.
