Brandenburg ist mit seiner reichen Geschichte ein wahrer Hotspot für Lost Places in Deutschland. Hier verstecken sich einige der faszinierendsten und geheimnisvollsten verlassenen Orte – oft nur einen Steinwurf von Berlin entfernt. Unweit der pulsierenden Großstadt finden sich nicht nur märchenhafte Naturjuwelen, sondern auch ein verlassenes Sanatorium, das als Kulisse für „Der Pianist“ und andere preisgekrönte Filme diente. Doch es sind nicht nur alte Krankenhäuser, sondern ganze Städte, die heute als eindrucksvolle Relikte vergangener Zeiten gelten. Die wohl bedeutendste liegt nur einen Katzensprung vom Großstadttrubel entfernt: ein Ort, der in der DDR von den Karten gelöscht wurde und als größte sowjetische Militärstation außerhalb der UdSSR galt – bekannt als das „Kleine Moskau“. Jahrzehntelang geheim, trug sie den Namen „Die Verbotene Stadt“.

Die Geschichte der „Verbotenen Stadt“
Nur 40 Minuten südlich von Berlin, in der Nähe des heutigen Flughafens BER, liegt die ehemalige Militärstadt Wünsdorf-Waldstadt – ein Areal von 24.000 Hektar. Teile davon sind bis heute bewohnt, andere verfallen langsam und erinnern an eine vergangene Zeit. Zu DDR-Zeiten war Wünsdorf-Waldstadt die größte sowjetische Militärbasis außerhalb der UdSSR – doch öffentlich bekannt oder zugänglich war sie nicht.
Rund 60.000 Soldaten und ihre Angehörigen lebten hier, abgeschottet vom Rest der DDR. Für ostdeutsche Zivilisten war das Gelände streng tabu. Auf Landkarten fehlte der Ort vollständig – daher auch der Name „Die Verbotene Stadt“. Verboten bedeutete jedoch keineswegs leblos: Wünsdorf-Waldstadt war eine abgeschlossene Welt mit eigener Infrastruktur – von Schulen und Supermärkten bis hin zu einem direkten Bahnanschluss nach Moskau. Kein Wunder also, dass die Stadt auch als „Kleines Moskau“ bezeichnet wurde.
Die Stadt ist ein Sinnbild für Deutschlands militärische Vergangenheit und den Kalten Krieg – ein abgeschotteter Ort, einst das militärische Herz der Sowjetmacht in Europa, heute ein Relikt zwischen Verfall und Neubeginn. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm die Rote Armee das Gelände am 20. April 1945 kampflos. Wünsdorf-Waldstadt wurde zur Kommandozentrale der sowjetischen Truppen in Ostdeutschland und zum Sitz der 16. sowjetischen Luftwaffe. Erst 1994 zogen die letzten russischen Soldaten ab – doch sie hinterließen Müllberge, Altlasten und zehntausende Schuss Munition.
Die Nutzung der „Verbotenen Stadt“ heute
Heute ist Wünsdorf eine merkwürdige Mischung aus Ruinen, verfallenden Gebäuden, überwucherten Flächen – und wenigen neu genutzten Bereichen wie Wohnhäusern oder Flüchtlingsunterkünften. Der Ort wirkt bis heute post-apokalyptisch, als würde die Geschichte weiterflüstern, während die Natur langsam die Kontrolle zurückerlangt.
Für Militär- und Geschichtsinteressierte bietet Wünsdorf die Möglichkeit, an Führungen durch die Bunkeranlagen („Maybach I“, „Zeppelin“) und sowjetische Relikte teilzunehmen. Darüber hinaus ist der Ort ein Kultur- und Bildungszentrum: Wünsdorf ist die Heimat der „Bücherstadt“, mit Antiquariaten, Lesungen, Kunstausstellungen und kulturellen Aktionen. Zugleich ist es ein Gedenk- und Lernort – ein Mahnmal für die NS- und Sowjetvergangenheit. Es gibt pädagogische Angebote für Schulen, Gruppen und interessierte Besucher, die sich mit der komplexen Geschichte des Ortes auseinandersetzen möchten.
