Nach 35 Jahren Streit wurde die Mohrenstraße in Berlin umbenannt – rund 500 Menschen feierten am Samstag die neue Anton-Wilhelm-Amo-Straße
Jahrelange juristische und politische Auseinandersetzungen verzögerten die Umbenennung dieser Straße. Doch am Samstag wurde sie endlich offiziell vollzogen – und das wurde gebührend gefeiert!
Eine Straße, deren Name heute nicht mehr akzeptiert wird und die mit Rassismus und Diskriminierung in Verbindung gebracht wird: In Berlin-Mitte, zwischen Friedrichstraße und Hausvogteiplatz (parallel zur Behrenstraße und Leipziger Straße), liegt die ehemalige Mohrenstraße. Sie existiert bereits seit 1707, also seit über 300 Jahren. Seit den 1990er Jahren gibt es in Berlin Debatten über die Umbenennung – angestoßen vor allem von Aktivist:innen, zivilgesellschaftlichen Gruppen und afrikanischen Organisationen. Anwohner hingegen klagten gegen die Umbenennung mit der Begründung, der Name – der Begriff „Mohr“ war historisch eine Bezeichnung für Menschen afrikanischer Herkunft – sei ursprünglich wertschätzend gemeint gewesen.
Im August 2020 beschloss die Bezirksverordnetenversammlung Berlin-Mitte (SPD, Grüne, Linke) offiziell die Umbenennung. Ursprünglich war der Schritt für Oktober 2021 geplant, tatsächlich vollzogen wurde er jedoch erst kurzfristig und buchstäblich in letzter Minute am vergangenen Samstag, nachdem das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg im Eilverfahren grünes Licht gegeben hatte. Es handle sich um ein Zeichen gesellschaftlichen Wandels und nicht bloß um eine Formalität, betonten Redner verschiedener Initiativen. Am Samstag fand zu Ehren der Umbenennung ein Festakt auf der nun neu benannten Anton-Wilhelm-Amo-Straße statt, die den gleichnamigen Philosophen ehrt, der im 18. Jahrhundert als einer der ersten afrikanischstämmigen Gelehrten in Europa wirkte. Die Enthüllung des Straßenschildes wurde von Reden und Musik begleitet. Hunderte von Menschen feierten mit.
Mittes Bezirksbürgermeisterin Stefanie Remlinger (Grüne) zeigte sich erfreut über die Umbenennung der Mohrenstraße: „Ich möchte mich bedanken, gerade bei Decolonize Berlin und bei all den Initiativen, den Schwarzen Initiativen, die gekämpft haben – so lange kämpfen mussten, dass man sich fast dafür schämen muss.“ Unter großem Applaus fügte sie hinzu: „Wir haben gewonnen.“ Gleichzeitig mahnte Remlinger, dass der Prozess noch nicht abgeschlossen sei: „Ich glaube, dass wir als deutsche Gesellschaft insgesamt beim Thema Dekolonisierung noch viel zu tun haben.“
Unter den rund 500 Teilnehmenden des Straßenfestes befand sich auch politische Prominenz: die ehemalige Bundestagsabgeordnete Gesine Lötzsch und der Berliner Abgeordnete Tobias Schulze (beide Linke), die früheren Grünen-Senator:innen Bettina Jarasch und Daniel Wesener, der Vorsitzende der Berliner Grünen Philmon Ghirmai sowie die Berliner Abgeordnete Tuba Bozkurt (Grüne). Mit dem neuen Straßennamen wurde letztlich ein deutliches Zeichen für Akzeptanz und Vielfalt gesetzt – gerade weil der alte Name für viele Menschen eine tägliche Erinnerung an Ausgrenzung bedeutete.