In Berlin-Weißensee steht ein heute verlassenes Säuglings- und Kinderkrankenhaus, das bei seiner Eröffnung im Jahr 1911 das erste seiner Art in Preußen war. Errichtet zwischen 1909 und 1911 nach den Plänen von Carl James Bühring, entstand es als Antwort auf die hohe Säuglingssterblichkeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts und galt damals als wegweisend in der Kinderheilkunde. Der einstige Ort der Heilung zeigt heute ein völlig anderes Bild: Fenster fehlen, Türen sind eingeschlagen, die Gebäude verfallen zusehends – und das Kinderkrankenhaus Weißensee reiht sich heute neben verlassenen Hochsicherheitslaboren, Geisterkonsulaten und einer ehemaligen
NSA-Abhörstation in die Reihe der bekanntesten Lost Places Berlins ein.
Kinderkrankenhaus Weißensee
Im Jahr 1911 richtete die Heilungsanstalt den 3. Internationalen Kongress für Säuglingsschutz aus. Auf dem 28.000 m² großen Gelände standen zunächst Plätze für bis zu 40 Säuglinge im Alter von bis zu zwei Jahren zur Verfügung. Nach Erweiterungen wuchs die Kapazität auf rund 100 Betten.
Zum Angebot gehörten neben der allgemeinen Versorgung auch chirurgische Behandlungen sowie Fachabteilungen für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde und Hautkrankheiten. Für ansteckende Krankheiten wie Keuchhusten oder Diphtherie existierten separate Isolierpavillons. Außerdem verfügte das Kinderkrankenhaus Weißensee über eine Kapelle, einen Hörsaal für Ausbildungszwecke und eine weitere Besonderheit: eine eigene Molkerei. Der dazugehörige Kuhstall beherbergte etwa 36 bis 38 Kühe; Milch, Lager- und Transportanlagen waren integraler Bestandteil und ein Teil der Milch wurde sogar an die Bevölkerung abgegeben. Darüber hinaus gab es einen Pferdestall für sechs Pferde sowie eine Remise für drei Wagen. Zu DDR-Zeiten wurde das Krankenhaus weitergeführt und um zusätzliche Betten erweitert. Nach der Wiedervereinigung wurde der Betrieb 1996 eingestellt, seit 1997 steht das Gebäude leer.

Das Berlins „Zombie-Hospital“
Das Kinderkrankenhaus Weißensee ist heute ein beliebter Lost Place für Urban Explorer in Berlin. Das weitläufige Gelände und das verfallene Gebäude bieten ideale Möglichkeiten für Erkundungen und Abenteuer. Immer wieder kommt es zu Graffiti-Schäden und Bränden, so etwa 2013 durch einen Brand im ersten Obergeschoss. Das Gelände ist ungenutzt und es gibt derzeit keine konkreten Pläne für eine Wiederbelebung. Dennoch setzt sich der Bezirk Pankow für den Erhalt des denkmalgeschützten Gebäudes ein.
Das Krankenhaus ist in Berlin auch als „Zombie-Hospital“ bekannt, da urbane Legenden von Geistererscheinungen und mysteriösen Ereignissen berichten. Besucher schildern immer wieder unheimliche Erfahrungen, die die düstere Atmosphäre des Ortes noch verstärken. Der Zugang zum Krankenhaus ist aufgrund des Verfalls gefährlich und das Betreten ist nicht gestattet. Besucher sollten sich der Risiken bewusst sein und die gesetzlichen Bestimmungen beachten.