Es gibt viele Lost Places in Berlin. Aber einige sind nicht nur verlassen, sondern gingen im Strudel der Zeit gänzlich verloren. Hier führen wir euch Farbfotos vor, die ein Berlin verschiedener Epochen zeigen. Und passt auf, denn ein Gebäude könnt ihr heute noch besichtigen!
Vom Regen in die Traufe: Das Alte Hotel Adlon (1907 – 1945)

Das Original-Adlon am Pariser Platz war eine Legende. Es war das luxuriöseste Hotel Deutschlands und ein Treffpunkt für die Großen ihrer Zeit, z. B. Charlie Chaplin und Albert Einstein. Es bot fließendes Heißwasser und Elektrizität in jedem Zimmer – eine Sensation.
Das Adlon überstand die Bombenangriffe und die Schlacht um Berlin, nur um wenige Tage später durch die achtlos liegengelassene Zigarre eines feiernden Rotarmisten niederzubrennen.
Auch im neuen Adlon gibt es viele berühmte Gäste und einen großen Skandal.
Kaufhaus Wertheim am Leipziger Platz (1904 – 1944)

Das Wertheim galt als das größte und modernste Kaufhaus Europas. Architekt Alfred Messel schuf eine Fassade aus Glas und Stein. Dann wurde das Gebäude durch alliierte Bombenangriffe schwer beschädigt. Die Ruinen wurden in den 50er Jahren endgültig abgetragen.
Ein Phönix aus der Asche: Der Französische Dom (1785 – heute!)

Nicht alle Schätze sind verloren. Hier seht ihr den Französischen Dom nach dem Krieg. (Dom heißt übrigens “Kuppel” auf Französisch, es ist keine Kirche!) In jahrelanger Arbeit wurde das Gebäude restauriert und steht heute in alter Pracht am Gendarmenmarkt. Ihr könnt darin sogar tolle Konzerte bei Kerzenschein sehen!
Preußischer Protz: Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmal (1897 – 1950)

Ein Reiterstandbild für Kaiser Wilhelm I., flankiert von einer halbrunden Säulenkolonnade vor dem Berliner Stadtschloss. Das Denkmal überstand den 2. Weltkrieg. Aber die DDR-Führung ließ es als Symbol des preußischen Militarismus abreißen. Demnächst steht dort das Freiheits- und Einheitsdenkmal (im Bau).
Ob das dem alten Kaiser gefallen hätte? Immerhin hatte Kaiser Wilhelm manchmal auch Humor…
Ein richtiger Hingucker: Der Karstadt am Hermannplatz (1929 – 1945)

Dieser faszinierende Art-decó-Karstadt hatte zwei 71 Meter hohe leuchtende Türme, einen eigenen U-Bahn-Zugang und einen Dachgarten mit 4.000 Sitzplätzen. Das Gebäude überstand die Bombenangriffe, wurde aber in den letzten Kriegstagen von der SS gesprengt, um nicht in die Hände der Roten Armee zu fallen.
Im Guten wie im Schlechten legendär: Der Berliner Sportpalast (1910 – 1973)

Der Schöneberger Gigant war die größte Eislaufhalle der Welt, Heimat der berühmten „Sechstagerennen“ und bot Platz für über 10.000 Menschen. Sie wurde durch Goebbels‘ „Wollt ihr den totalen Krieg?“-Rede berüchtigt. In den 70ern war der Betrieb nicht mehr rentabel. Das Gebäude wurde abgerissen, um Platz für den sozialen Wohnungsbau („Pallasseum“) zu machen.
145 m lang und 44 m hoch: Das DDR-Außenministerium (1967 – 1996)

Der Bau thronte neben der Friedrichswerderschen Kirche. Das Machtsymbol war ein wichtiger Vertreter der sozialistischen Moderne. Nach der Wiedervereinigung passte der Koloss nicht mehr in das Konzept der „Kritischen Rekonstruktion“ der historischen Berliner Mitte. Obwohl es architektonisch ein wichtiges Zeugnis seiner Zeit war, wurde es 1996 abgerissen.
Ein expressionistisches Meisterwerk: Großes Schauspielhaus oder “Tropfsteinhöhle” (1919 – 1985)

Architekt Hans Poelzig baute eine alte Zirkushalle zu einem Theater für über 3.000 Zuschauer um. Von der Decke des riesigen Saals hingen hunderte zapfenartige Stuckelemente herab, die in verschiedenen Farben beleuchtet wurden. Das Gebäude wurde nach dem Krieg als Friedrichstadt-Palast genutzt. Aber da es auf Morast gebaut worden war, verfaulten die Holzpfähle des Fundaments. Erst wurde es wegen Einsturzgefahr gesperrt und schließlich abgerissen.
Palast der Republik oder “Erichs Lampenladen” (1976 – 2006)

Mit seiner bronzeverspiegelten Fassade, über 10.000 kugelförmigen Lampen im Foyer, einem Bowling-Center, Theater und dem Sitz der Volkskammer war er (gemeinsam mit dem brandneuen Fernsehturm) das Zentrum der DDR. Aufgrund schwerer Asbestbelastung wurde das Gebäude nach der Wende geschlossen. Nach hitzigen Debatten wurde der Palast abgerissen, um das Berliner Stadtschloss wieder aufzubauen.
Haus Vaterland am Potsdamer Platz (1928 – 1976)

Ein Vergnügungspalast, der unter seiner gewaltigen Kuppel Themenrestaurants beherbergte. Die „Rheinterrasse“ war das berühmteste davon. Stündlich wurden dort künstliche Gewitter inszeniert!
Nach Bombentreffern brannte das Gebäude aus. Nach dem Krieg wurde das Gebäude als „HO-Gaststätte“ weiterbetrieben. Während des Volksaufstandes am 17. Juni 1953 wurde es in Brand gesteckt und brannte völlig aus. Danach lag es als Ruine an der Grenze, bis der Westen die Ruine 1976 endgültig abreißen ließ.