Für den Herbst haben wir euch bereits einige wunderschöne Ausflugsziele rund um Berlin vorgestellt – vom 700 m langen Baumkronenpfad mit seiner einzigartigen Panoramaaussicht bis hin zum einzigen Elbsandsteingebirge Deutschlands. Diese Jahreszeit zeigt sich mit ihrer traumhaften Naturpracht von ihrer besten Seite. Doch nun steht nicht nur der Herbst, sondern auch Halloween vor der Tür. Während ihr in der Stadt mystische Orte, Lost Places und geheimnisvolle Plätze mit einer Prise Spuk entdecken könnt, warten außerhalb Berlins echte Horror-Erlebnisse – natürlich im besten Sinne. Nur zwei Stunden entfernt findet ihr die legendäre „Teufelsbrücke“, der Legende nach vom Teufel selbst erbaut. Ein Ort, der euch zu Halloween so richtig in Stimmung bringt, ist die „Hexenstadt“ Wernigerode in Sachsen-Anhalt – der europäische Zwilling der ultimativen Hexenstätte Salem (Massachusetts).

Wernigerode und der Hintergrund als „Hexenstadt“
Am nördlichen Rand des Harzes liegt diese mystische Stadt, die wie kaum eine andere mit der Sagenwelt der Region verbunden ist. Wernigerode trägt zwar nicht offiziell den Beinamen „Hexenstadt“, gilt jedoch als „magisches Tor“ und Zentrum des sagenumwobenen Harzes – der Wiege deutscher Hexenmythen. Die Geschichten über Hexen und Zauberei im Harz reichen bis ins Mittelalter zurück. Der nahegelegene Brocken (auch Blocksberg genannt) galt in der Volksvorstellung als Versammlungsort der Hexen, besonders in der Walpurgisnacht am 30. April. Schon Goethe und Heine griffen diesen Mythos in ihrer Literatur auf:
„Die Hexen zu dem Brocken ziehn,
die Stoppeln fliegen wie dahin.“
(Goethe, Faust I, „Walpurgisnacht“)
Wernigerode liegt nur etwa 12 km vom Brocken entfernt und profitierte über Jahrhunderte von seiner Nähe zu diesem mythischen Ort. Zwischen dem 16. und 17. Jahrhundert kam es – wie in vielen deutschsprachigen Städten – auch hier zu Hexenprozessen. Frauen (und einige Männer) wurden beschuldigt, mit dem Teufel im Bunde zu stehen; Folter, erzwungene Geständnisse und grausame Hinrichtungen waren die Folge. Heute ist Wernigerode keine „Hexenstadt“ im dunklen Sinn mehr, sondern ein Ort lebendiger Erinnerung und Symbolik. Die Figur der Hexe steht hier nicht länger für das Böse, sondern für Weisheit, Naturverbundenheit und die Stärke von Frauen, die sich gegen Unterdrückung behaupten.

Die jährliche Walpurgisnacht
Traditionen werden hier lebendig gehalten – deshalb findet jedes Jahr am 30. April die Walpurgisnacht statt. In Wernigerode und dem Ortsteil Schierke am Fuße des Brockens verwandelt sich die Stadt in ein zauberhaftes Spektakel: Hexenumzüge durch die Altstadt, Feuer, Musik, Tanz, fantasievolle Kostüme und Auftritte von „Hexen“, „Teufeln“ und „Zauberern“. Tagsüber locken Mittelaltermärkte und familienfreundliche Veranstaltungen. Der Brauch wurzelt in alten Mythen, wird heute jedoch als fröhliches Frühlingsfest gefeiert.
Ein Ausflug an Halloween
Wenn ihr Wernigerode zu Halloween besucht, könnt ihr hier selbst auf den Spuren der Hexen wandeln. Im Harzmuseum Wernigerode (Klint 10) erwarten euch Ausstellungen zu Hexenglauben, Naturmythologie und Volksglaube. Auch das beeindruckende Schloss Wernigerode, das im Herbst oft in geheimnisvollen Nebel gehüllt ist, lädt zu Führungen ein, die Mythen und Legenden lebendig werden lassen. In der Altstadt entdeckt ihr an zahlreichen Brunnen, Statuen und Schildern liebevoll gestaltete Hexenfiguren – freundlich statt furchterregend. Mit der Brockenbahn gelangt ihr direkt von Wernigerode auf den sagenumwobenen Blocksberg. Und in der Walpurgishalle in Schierke erwartet euch eine kleine, aber spannende Ausstellung zur Walpurgisnacht, Hexensymbolik und alten Riten.