Im Oktober ist alles schöner: Gold-, Rot- und Orangetöne tauchen Orte, Plätze und ganze Städte in eine prachtvolle Farbenwelt. Es die schönste Zeit für Spaziergänge und Wanderungen in der Natur. Ob in den vielen Berliner Parks oder am größten See der Stadt – nur 20 km vom Zentrum entfernt – der Herbst zeigt sich hier von seiner besten Seite. Für einen besonderen Ausflug warten rund um Berlin echte Naturjuwelen, die ihr euch fürs Herbstwochenende merken solltet. Hier gibt es Vielfalt für jeden Geschmack: vom entspannten Kanufahren im „deutschen Venedig“ bis zum Spaziergang über einen 700 m langen Baumkronenpfad mit Panoramablick von oben. Und das ist erst der Anfang: Etwa drei Stunden von Berlin entfernt liegt die Rakotzbrücke, deren perfekte Bauweise im 19. Jahrhundert so übermenschlich wirkte, dass man sie auch „Teufelsbrücke“ nannte. Ihre mystische Geschichte und wie sie zum magischen Ort in einem berühmten Film wurde – erfahrt ihr hier!

Das einzigartige Bauwerk
Im Rhododendron- und Azaleenpark Kromlau im kleinen Ort Gablenz in Sachsen befindet sich eine außergewöhnliche Brücke, die zwischen 1866 und 1875 erbaut wurde. Komplett aus Basalt- und Feldsteinen gefertigt, sind die Bausteine der Rakotzbrücke so präzise angeordnet, dass sie nicht nur enorme Stabilität bieten, sondern sich bei ihrer Spiegelung im Wasser zu einem perfekten Kreis vereinen. Im 19. Jahrhundert ohne moderne Maschinen errichtet, entstand die Brücke in reiner Handarbeit – mit Holzgerüsten, Seilen und feinster Steinmetzkunst.
Ihre Maße (Länge: 19,8 m, Spannweite: 7 m, Höhe: 6 m) machen sie zu einem wahren technischen Meisterwerk ihrer Zeit. Die Parkanlage erstreckt sich über rund 200 Hektar und gilt als eine der größten Rhododendren-Freilandanlagen Deutschlands. Stabilität erhält die Brücke ausschließlich durch ihr Eigengewicht – an den Hauptbögen wurde kein Mörtel verwendet. Kein Wunder also, dass dieses Bauwerk unter Denkmalschutz steht und als besonderes Kulturdenkmal Sachsens gilt. Das Betreten der Brücke ist ausdrücklich verboten – sowohl aus Sicherheitsgründen als auch zum Schutz der historischen Mauerstruktur.

Ist die Rakotzbrücke eine „Teufelsbrücke“?
Betrachtet man die Brücke aus dem richtigen Winkel – am besten vom Südufer –, entsteht durch ihre Form und die Spiegelung im Wasser ein nahezu mathematisch perfekter Kreis. Bei Windstille und klarer Reflexion wirkt das Bild surreal, fast übernatürlich. Im 19. Jahrhundert führte dieser Anblick zu der Bezeichnung „Teufelsbrücke“. Etwas so Perfektes, so glaubte man, könne nur der Teufel erschaffen. Der Sage nach versprach der Baumeister dem Teufel die Seele des ersten Wesens, das die Brücke überqueren würde. Um ihn zu täuschen, jagte er jedoch ein Tier darüber – in manchen Versionen war es ein Hund, in anderen eine Ziege oder ein Huhn. Schon die Atmosphäre der Brücke ist einzigartig – doch mit dieser Legende im Hinterkopf wirkt sie noch geheimnisvoller und magischer.

Symbolik & Nutzung der Rakotzbrücke
Die Rakotzbrücke wurde nicht für den Verkehr errichtet, sondern als symbolisches Kunstwerk. In der Epoche der Romantik (19. Jahrhundert) galt sie als Sinnbild des „Erhabenen“ – des menschlichen Geistes, der versucht, Natur und Kunst in Einklang zu bringen. Die Brücke steht für den Übergang zwischen dieser Welt und dem Jenseits, zwischen Mensch und Natur. Das perfekte Zusammenspiel aus Spiegelung, Stille und Form macht sie zu einem Ort der Kontemplation und des Staunens.
Sie ist ein beliebtes Motiv in Reisevideos, Drohnenaufnahmen und Fotokampagnen. Für den deutschen Film „Der Zauberlehrling“ (2017) diente sie als magisches Tor, durch das man mit einem Ruderboot fährt. Auch im amerikanischen Film Matrix Resurrections (2021) ist die Brücke kurz zu sehen. Wer die Schönheit dieser Brücke selbst erleben möchte, sollte sie besonders im Herbst besuchen. Wenn die Natur in warmen Farben erstrahlt, entstehen dort beeindruckende Aufnahmen. Die besten Lichtverhältnisse für Fotos gibt es zwischen 8–10 Uhr sowie 16–17:30 Uhr. Kein Wunder also, dass die Rakotzbrücke zu den meistfotografierten Motiven Deutschlands zählt.
Rund um den See laden Bänke und Picknickplätze zum Verweilen ein. Mit einer Thermoskanne und kleinen Snacks im Gepäck lässt sich die Natur besonders genießen. In Kromlau oder im nahegelegenen Bad Muskau findet ihr außerdem gemütliche Cafés und Restaurants für einen entspannten Ausklang.