Am 1. Februar 1705 starb Sophie Charlotte in Hannover, wo sie ihre Familie besuchte. Die preußische Königin war gerade 36 Jahre alt. Ihr Mann, König Friedrich I., trauerte öffentlich und tat, was Herrscher in solchen Momenten gern tun: Er schuf ein Denkmal.
Das Lustschloss Lietzenburg vor den Toren der Stadt, das seine Frau so geliebt hatte, hieß fortan Schloss Charlottenburg. Aus dem Dorf Lietzow wurde im selben Jahr eine eigene Stadt, deren Name bis heute einen ganzen Berliner Bezirk prägt.
28 Oktober 2026 00:00 + mehr Daten
Schloss Charlottenburg
Schloss Charlottenburg: Erinnerung an eine Königin mit Sinn für den Geist

Sophie Charlotte war keine Freundin steifer Hofzeremonien. Die gebildete Hannoveranerin ließ sich ab 1695 von Arnold Nering einen Sommersitz an der Spree bauen, wo sie Opern aufführen ließ und stundenlang mit dem Philosophen Gottfried Wilhelm Leibniz diskutierte.
Mit ihm verband sie eine enge Freundschaft; er gründete 1700 die Berliner Sozietät der Wissenschaften, die sie unterstützte. Überliefert ist, dass sie ihre Umgebung auf dem Sterbebett tröstete: Nun werde sie endlich erfahren, was Leibniz ihr nie ganz erklären konnte.
Vom Sommersitz zur Prunkanlage

Nach ihrem Tod wuchs das Schloss weiter. Johann Friedrich Eosander setzte dem Bau die 48 Meter hohe Kuppel auf, gekrönt von einer vergoldeten Fortuna, die sich als Wetterfahne im Wind dreht. Friedrich der Große ließ durch Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff den Neuen Flügel anfügen, dessen Goldene Galerie als einer der schönsten Rokokoräume Deutschlands gilt.
Im 2. Weltkrieg wurde das Schloss schwer getroffen, doch es wurde wieder aufgebaut. Im Ehrenhof steht heute wieder das Reiterstandbild des Großen Kurfürsten, das einst am Berliner Schloss stand (vlg. Bilder oben) und sogar ein paar Jahre im Tegeler See versunken war…
Das könnt ihr heute entdecken

Besichtigen könnt ihr das Alte Schloss und den Neuen Flügel mit ihren Prunkräumen, darunter das Porzellankabinett, in dem chinesisches und japanisches Porzellan die Wände bis hinauf zur Decke füllt. Auch findet ihr hier eine von fünf Versionen des Gemäldes „Bonaparte beim Überschreiten der Alpen am Großen Sankt Bernhard“ von Jacques-Louis David.
Danach lohnt ein Spaziergang durch den weitläufigen Schlossgarten, der sich vom barocken Gartenparterre hinter dem Schloss in einen Landschaftspark verwandelt. Dort warten Schinkels Neuer Pavillon, das Belvedere und das Mausoleum, in dem unter anderem Königin Luise ruht (und das Herz von König Friedrich Wilhelm IV.).
Und wenn ihr vor der Fassade steht, denkt kurz an Sophie Charlotte: Eine Königin, die keine 40 Jahre alt wurde, hat Berlin nicht nur ein Schloss, sondern einen ganzen Stadtteilnamen hinterlassen.
Berlin: Ticket für das Schloss Charlottenburg
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