Die meisten Menschen verbinden das Bernsteinzimmer mit seinem mysteriösen Verschwinden im 2. Weltkrieg. Doch die Geschichte dieses faszinierenden Kunstwerks begann im Herzen Berlins vor über 300 Jahren.
Und nur wenige Schritte von der ursprünglichen Heimat des Zimmers, dem Berliner Stadtschloss, entdeckt ihr heutzutage 14 absolut verrückte Räume, die euer Verständnis von Perspektive und Realität auf den Kopf stellen. Schaut unbedingt auch dort mal vorbei!
Das Bernsteinzimmer: Ein prunkvoller Plan für Schloss Charlottenburg

Im Jahr 1701 gab der erste preußische König, Friedrich I., ein ehrgeiziges Projekt in Auftrag. Für seine Gemahlin, Königin Sophie Charlotte, sollte ein Raum geschaffen werden, der komplett mit Bernstein vertäfelt war.
Der ursprüngliche Plan sah vor, dieses Meisterwerk in ihrem geliebten Schloss Charlottenburg zu installieren. Dafür entwarf Barockbaumeister Andreas Schlüter das Design, während Danziger Bernsteindreher die kunstvoll geschnitzten Paneele in jahrelanger Handarbeit anfertigten.
Fun Fact: Der selbe Andreas Schlüter hat auch die Kanzel entworfen, auf der Martin Luther King Jr. seine verbotene Ost-Berlin-Rede hielt!
Einzug ins Berliner Stadtschloss

Nach dem Tod Friedrichs I. im Jahr 1713 bestieg sein Sohn, der „Soldatenkönig“ Friedrich Wilhelm I., den Thron. Er hatte wenig übrig für Prunk und stoppte umgehend die teuren Bauprojekte seines Vaters.
Die bereits fertiggestellten Bernsteinpaneele aber brachte man in das Berliner Stadtschloss. Dort befand sich das Bernsteinzimmer zunächst in einem Raum im 2. Obergeschoss, der Beletage, direkt angrenzend an die prunkvollen Paradekammern.
Ein folgenschwerer Staatsbesuch

Im Jahr 1716 reiste Zar Peter der Große nach Berlin und war von der Schönheit der Bernsteinwände fasziniert. Um eine strategische Allianz mit Russland zu besiegeln, schenkte Friedrich Wilhelm I. dem Zaren das wertvolle Zimmer. (Im Gegenzug erhielt der Preußenkönig groß gewachsene russische Soldaten für seine geliebte Leibgarde, die „Langen Kerls“.)
Die Paneele wurden abgebaut, in Kisten verpackt und nach St. Petersburg geschickt, wo das Zimmer später im Katharinenpalast erweitert wurde und über 200 Jahre lang als Prunksaal diente. (S. Bild oben, Rekonstruktion im Katharinenpalast.)
Raub und Verschwinden im 2. Weltkrieg

Aber 1941 erbeuteten deutsche Truppen die wertvollen Paneele aus dem Katharinenpalast. Das Kunstwerk wurde in das Königsberger Schloss entführt (s. Bild oben), wo es ab 1942 ausgestellt wurde. Als die Front im Spätsommer 1944 näher rückte und britische Luftangriffe das Schloss schwer beschädigten, wurden die Paneele erneut in Kisten verpackt.
Danach verliert sich die Spur des Bernsteinzimmers im Chaos der letzten Kriegsmonate. Ob es mit dem Königsburger Schloss verbrannte, zuvor heimlich ausgelagert wurde oder in den Fluten der Ostsee ruht, ist bis heute ungewiss.
Was würde bei einem plötzlichen Fund passieren?
Wir ständen vor gewaltigen rechtlichen und restauratorischen Herausforderungen. Da es geraubt wurde, würde Russland auf Basis internationaler Abkommen zur Rückgabe von Beutekunst wohl die Herausgabe fordern.
Der Zustand des Kunstwerks wäre wohl kritisch. Bernstein ist ein organisches Material und reagiert empfindlich auf Temperaturschwankungen und Feuchtigkeit. Nach über 80 Jahren in einem Bunker, Stollen oder auf dem Meeresgrund wären die Paneele oxidiert, rissig, brüchig oder sogar zerfallen. Bevor es wieder ausgestellt werden könnte, stünde eine jahrelange Restaurierung an.