Ihr seid Fans besonderer Architektur mit langer Geschichte? Dann ist Berlin genau der richtige Ort für euch. Die Stadt ist voller nostalgischer Spuren vergangener Zeiten, die sich bis heute in zahlreichen Gebäuden widerspiegeln. Ob eine Bar, die früher einmal ein DDR-Kosmetiksalon war, oder eine „Uni auf dem Wasser“, die sich in einem ehemaligen Regenwasserrückhaltebecken des Flughafens Tempelhof befindet – hinter vielen Berliner Orten steckt eine Geschichte, die man ihnen auf den ersten Blick kaum ansieht. Und heute erzählen wir euch von einem ganz besonderen Gebäude: Die Geschichte des heutigen Soho House Berlin an der Torstraße 1 ist außergewöhnlich, denn an nur einer Adresse lassen sich fast 100 Jahre Berliner Geschichte ablesen.

Vom jüdischen Kaufhaus über die Zeit des Nationalsozialismus und die DDR bis hin zum heutigen exklusiven Members’ Club hat das Haus vollkommen unterschiedliche Epochen erlebt. Das Gebäude wurde zwischen 1927 und 1929 nach Entwürfen der Architekten Gustav Bauer und Siegfried Friedländer errichtet. Der Bau im Stil der Neuen Sachlichkeit entstand als Kredit-Warenhaus der Jonaß & Co. AG und steht heute unter Denkmalschutz.
Hinter dem Kaufhaus standen die jüdischen Geschäftsleute Hermann Golluber und Hugo Haller. Das Konzept unterschied sich von klassischen Luxuskaufhäusern, denn die Waren konnten auf Kredit gekauft und in Raten bezahlt werden. Kunden mussten also nicht den gesamten Kaufpreis auf einmal aufbringen, sondern konnten einen Teil anzahlen und den verbleibenden Betrag anschließend begleichen. Auch architektonisch war das Gebäude beeindruckend. Auf sieben Etagen standen rund 15.000 Quadratmeter Nutzfläche zur Verfügung. Interessanterweise spielte bereits damals das Dach eine besondere Rolle. Dort befand sich ein Restaurant – eine bemerkenswerte Parallele zur heutigen Nutzung des Dachs durch das Soho House.

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten begann ein dunkles Kapitel in der Geschichte des Hauses. Die jüdischen Eigentümer wurden im Zuge der sogenannten „Arisierung“ aus ihrem Unternehmen gedrängt und verfolgt. Hermann Golluber gelang 1939 die Emigration. Obwohl große Teile Berlins während des Zweiten Weltkriegs zerstört wurden, überstand das Gebäude an der Torstraße die Bombardierungen vergleichsweise unbeschadet. Dadurch konnte es bereits kurz nach Kriegsende wieder genutzt werden. Innerhalb weniger Jahre wechselte dabei nicht nur seine Funktion, sondern auch das politische System, dessen Vertreter hinter seinen Mauern arbeiteten.
Obwohl große Teile Berlins während des Zweiten Weltkriegs zerstört wurden, überstand das Gebäude an der Torstraße die Bombardierungen vergleichsweise unbeschadet. Dadurch konnte es bereits kurz nach Kriegsende wieder genutzt werden. Innerhalb weniger Jahre wechselte dabei nicht nur seine Funktion, sondern auch das politische System, dessen Vertreter hinter seinen Mauern arbeiteten.
Im Jahr 2010 eröffnete in dem ehemaligen Kreditkaufhaus und politischen Machtzentrum das Soho House Berlin. Heute befinden sich hinter der historischen Fassade ein privater Members’ Club und ein Hotel mit Gastronomie, Fitnessangeboten, Kino und einem Pool auf dem Dach.