Euren Kaffee in einer ehemaligen Shell-Tankstelle aus den 1950er-Jahren oder sogar in Berlins erstem Krematorium zu genießen, klingt schon außergewöhnlich? Tatsächlich gibt es noch mehr zu entdecken. Zum Beispiel könnt ihr euren Kaffee zwischen historischen Rennrädern trinken, von denen einige mehrere Jahrzehnte alt sind und mit großen Namen des Radsports verbunden sind. Das Steel Vintage Bikes Café in der Wilhelmstraße 91 in Berlin-Mitte ist nämlich viel mehr als nur ein Fahrrad-Café. Hinter dem Ort steckt eine Geschichte über historische Rennräder, besondere Sammlerstücke, aufwendige Restaurierungen und eine Leidenschaft, die sich von einem kleinen Projekt zu einem international bekannten Geschäft entwickelt hat.

Das Steel Vintage Bikes Café verbindet Café, Fahrradgeschäft, Werkstatt und Radsportkultur miteinander. Statt gewöhnlicher Café-Dekoration hängen hier historische Rennräder an den Wänden. Viele davon sind echte Sammlerstücke, die restauriert wurden und teilweise auch zum Verkauf stehen. Dadurch erinnert der Ort stellenweise eher an ein kleines Radsportmuseum als an ein klassisches Café.
Die Geschichte von Steel Vintage Bikes begann Ende 2011. Gründer Alexander Bisaliev beschäftigte sich während seines Studiums zunehmend mit historischen Rennrädern und begann damit, ältere Modelle zu reparieren und zu restaurieren. Aus der persönlichen Leidenschaft entwickelte sich schließlich ein Geschäft, das sich insbesondere auf klassische Rennräder mit Stahlrahmen spezialisierte.
Im Mittelpunkt standen von Beginn an historische Rennräder aus vergangenen Jahrzehnten. Besonders interessant sind Modelle aus der Zeit zwischen den 1950er- und 1990er-Jahren. Dazu gehören Räder traditionsreicher Hersteller wie Bianchi, Colnago und andere Klassiker des europäischen Radsports. Einige Exemplare sind mittlerweile mehr als 70 Jahre alt und werden für mehrere Tausend Euro gehandelt. Die Fahrräder dienen dabei nicht einfach als Dekoration, sondern werden gesammelt, restauriert und verkauft.

In der Vergangenheit befanden sich besonders außergewöhnliche Stücke im Bestand. Dazu gehörte beispielsweise ein historisches Rennrad, das mit dem belgischen Radsportstar Eddy Merckx verbunden war. Dieses Rad wurde später an den britischen Radrennfahrer Bradley Wiggins verkauft, der 2012 als erster Brite die Tour de France gewann und mehrfach Olympiasieger wurde. Dadurch reicht die Geschichte des Berliner Fahrradgeschäfts bis in die internationale Radsportszene.
Zeitweise war die Sammlung deutlich größer, als Besucher im eigentlichen Geschäft sehen konnten. Bei einem früheren Besuch des Tagesspiegel wurden rund 25 historische Fahrräder im Verkaufsraum gezeigt, während weitere etwa 150 Räder im Keller lagerten. Die Mitarbeiter bezeichneten diesen Keller scherzhaft als „Mausoleum“. Darunter befanden sich Rennräder aus verschiedenen Ländern und Jahrzehnten, darunter seltene Modelle aus den 1950er-Jahren. Diese Zahlen stammen allerdings aus früheren Jahren und sollten nicht als aktueller Bestand dargestellt werden.
Steel Vintage Bikes begann zunächst als Online-Shop für historische Fahrräder. Später kam ein physischer Laden in Berlin hinzu. Daraus entwickelte sich schließlich die Idee, Fahrradgeschäft und Gastronomie miteinander zu verbinden. Besucher sollten nicht nur ein Fahrrad kaufen oder zur Reparatur bringen, sondern auch bleiben, Kaffee trinken und sich über Fahrräder und Radsport austauschen können.