Kaffee trinken in einer ruhigen, grünen Oase – dafür müsst ihr erst ein Stück raus aus Berlin? Ganz im Gegenteil. Von begrünten Innenhöfen bis hin zu versteckten Nutzgärten gibt es mitten in der Hauptstadt überraschend ruhige Rückzugsorte. Es muss schließlich nicht immer Großstadtlärm um euch herum sein, wenn ihr einfach mal entspannen möchtet. Ein besonderes Beispiel ist das ZEIT Café, das sich in einer ehemaligen Shell-Tankstelle aus den 1950er-Jahren in Berlin-Schöneberg befindet.

Betrieben wird das Café von der ZEIT Verlagsgruppe. Es ist allerdings nur ein Teil eines größeren Kunst- und Kulturortes an der Bülowstraße, der unter dem Namen „Die Tankstelle“ auftritt. Das Konzept verbindet Café, Literatur, Kunst, Architektur und Garten. Besucher:innen können hier Kaffee und Kuchen genießen, in Publikationen und Büchern stöbern, zwei Galerien besuchen oder sich zum Lesen in den begrünten Innenhof zurückziehen. Aus einem Ort, an dem früher Autos betankt wurden, ist damit eine kleine kreative Oase für Kunst- und Kaffeeliebhaber:innen entstanden.
Der ungewöhnliche Tankstellen-Look ist keine nachträgliche Inszenierung. Das Gebäude wurde in den 1950er-Jahren als Shell-Tankstelle errichtet. Besonders das weit auskragende und geschwungene Dach erinnert bis heute an seine ursprüngliche Funktion. Die Tankstelle wurde 1986 stillgelegt und stand anschließend rund zwei Jahrzehnte weitgehend ungenutzt. Im Jahr 2005 kaufte der Galerist und Kunstsammler Juerg Judin das Grundstück. Anschließend begann die Verwandlung des ehemaligen Verkehrsortes in einen Kunst- und Kulturstandort. Die historische Tankstellenarchitektur wurde dabei bewusst erhalten und restauriert. Heute kann man sogar dort seinen Kaffee trinken, wo früher Autos unter dem Dach an den Zapfsäulen standen.
Auch architektonisch ist der Ort bemerkenswert. Statt die alte Tankstelle abzureißen, wurden ihre charakteristischen Elemente in das neue Nutzungskonzept integriert und durch zeitgenössische Architektur ergänzt. Der Umbau wurde mit dem Architekturpreis Berlin ausgezeichnet. Historische Tankstellenarchitektur trifft heute auf moderne Glasflächen, Galerieräume und einen begrünten Außenbereich. Gerade der sichtbare Kontrast zwischen Vergangenheit und neuer Nutzung prägt den Charakter des Ortes.

Eine der größten Überraschungen befindet sich hinter dem Gebäude. Von der vielbefahrenen Bülowstraße aus lässt sich kaum erahnen, dass sich hinter der ehemaligen Tankstelle ein ruhiger und begrünter Innenhof verbirgt. Dort wachsen unter anderem Kiefern und Bambus. Hinzu kommt ein Wasserbecken mit Karpfen beziehungsweise Koi-Karpfen. Dadurch wirkt das Grundstück heute stellenweise eher wie ein kleiner versteckter Garten als wie eine ehemalige Tankstelle mitten in Berlin. Gerade dieser Gegensatz macht den Ort besonders: Auf der einen Seite befindet sich eine stark befahrene Berliner Straße, auf der anderen ein abgeschirmter Garten, in dem man mit Kaffee und Lesestoff zwischen Pflanzen und Kois sitzen kann.
Die ehemalige Tankstelle wurde bereits vor der Eröffnung des ZEIT Cafés kulturell genutzt. 2022 eröffnete hier Das Kleine Grosz Museum, das sich dem Berliner Maler, Grafiker und Karikaturisten George Grosz widmete. Das Museum blieb rund zweieinhalb Jahre an diesem Standort und schloss dort im November 2024. Anschließend wurde das Gelände erneut für seine nächste Nutzung vorbereitet. Die Entwicklung des Grundstücks ist damit ungewöhnlich: Aus der Shell-Tankstelle wurde zunächst ein Kunstort, anschließend ein Museum und schließlich ein Kulturkomplex mit Galerien und ZEIT Café.