Berlin ist Geschichte pur – an vielen Ecken lässt sich der Charme vergangener Zeiten noch heute auf besonders nostalgische Weise erleben. Das gilt auch für einige Gastro-Spots in der City, die früher einmal eine völlig andere Funktion hatten. So könnt ihr euren Kaffee beispielsweise in einer ehemaligen Shell-Tankstelle aus den 1950er-Jahren genießen. Doch es gibt noch weitere Orte, an denen Kaffee, Essen oder Drinks auf eine außergewöhnliche Vergangenheit treffen. Einer davon ist der Salon Babette an der Karl-Marx-Allee, der sich in einem ehemaligen DDR-Kosmetiksalon befindet.

Das Spannende an dem Ort war vor allem das Gebäude selbst: Der Pavillon entstand Anfang der 1960er-Jahre und war ursprünglich als Kosmetiksalon konzipiert. Dieser trug bereits damals den Namen „Babette“, den die spätere Bar übernahm. Architektonisch ist der Pavillon ein interessantes Beispiel für die moderne DDR-Architektur der 1960er-Jahre. Mit seinen großen Glasflächen, der niedrigen Bauweise und den klaren Linien unterscheidet er sich deutlich von den monumentalen Wohnpalästen, für die die Karl-Marx-Allee vor allem bekannt ist. Während die früheren Abschnitte der Straße noch stark vom sogenannten sozialistischen Klassizismus geprägt wurden, setzte sich Anfang der 1960er-Jahre zunehmend eine modernere und funktionalere Architektursprache durch.
Der damalige Kosmetiksalon Babette gehörte zur geplanten Infrastruktur der Karl-Marx-Allee. Die große sozialistische Prachtstraße sollte schließlich nicht nur aus Wohnungen bestehen. Für die Bewohner wurden entlang der Straße auch Restaurants, Cafés, Geschäfte und verschiedene Dienstleistungsbetriebe errichtet. Der Kosmetiksalon war Teil dieses Gesamtkonzepts und damit auch ein Stück DDR-Alltagskultur. Nach der Wiedervereinigung änderte sich die Nutzung des Gebäudes. Später zog die Bar Babette ein, die den historischen Namen des Kosmetiksalons bewusst beibehielt. Auch die DDR-Vergangenheit des Gebäudes wurde nicht versteckt, sondern zu einem Teil der Identität des Ortes.

Besonders charakteristisch waren die großen Fensterfronten. Sie sorgten dafür, dass die Bar wesentlich heller und offener wirkte als eine klassische Berliner Nachtbar. Von innen konnte man auf die Karl-Marx-Allee und ihre Architektur blicken, während der Innenraum gleichzeitig von der Straße aus gut sichtbar war. Babette entwickelte sich außerdem zu mehr als einer reinen Bar. Der Ort wurde eng mit der Berliner Kunst- und Kulturszene verbunden. Neben Drinks gab es dort unter anderem Ausstellungen, Performances, Lesungen, Diskussionen, Partys und weitere kulturelle Veranstaltungen. Damit wurde aus einem ehemaligen DDR-Kosmetiksalon Jahrzehnte später ein Treffpunkt der Berliner Kreativszene.
Auch der städtebauliche Kontext macht die Geschichte interessant. Die Karl-Marx-Allee war eines der bedeutendsten Prestigeprojekte der DDR. Während ihre älteren Abschnitte durch monumentale Gebäude und repräsentative Fassaden geprägt sind, dokumentieren die später entstandenen Pavillons den architektonischen Wandel der DDR. Glas, klare Formen und funktionale Konstruktionen rückten zunehmend in den Vorde