Die Wellenbäder, die den Berlinern früher unvergessliche Freizeitmomente bescherten, haben über die Jahre einiges durchgemacht. Während das Wellenbad am Spreewaldplatz bereits seit 2023 geschlossen ist und voraussichtlich erst 2028 nach umfangreichen Sanierungsarbeiten wieder öffnen wird, sieht die Zukunft eines anderen legendären Badeparadieses noch düsterer aus. Das ehemalige Sport- und Erholungszentrum (SEZ) in Berlin-Friedrichshain gehörte einst zu den bekanntesten Freizeitstätten der DDR und lockte zahlreiche Besucher an. Heute steht der einstige Publikumsmagnet weitgehend leer und ist sogar vom vollständigen Abriss bedroht.

Als es am 20. März 1981 eröffnet wurde, galt es als eines der modernsten und außergewöhnlichsten Sport- und Freizeitzentren Ostdeutschlands. Millionen Menschen kamen hierher, um zu schwimmen, Schlittschuh zu laufen, Bowling zu spielen oder sich in der Sauna zu entspannen. Heute, 45 Jahre später, steht das einstige Prestigeprojekt an der Landsberger Allee 77 weitgehend leer. Statt Wellenbad, Eisbahn und gut besuchten Sportanlagen prägen inzwischen Bauzäune, Verfall und ein langjähriger Streit über die Zukunft des Gebäudes das Bild.
Eine besonders ungewöhnliche Wendung nahm die Geschichte des SEZ im Jahr 2003. Damals verkaufte das Land Berlin den Gebäudekomplex für den symbolischen Preis von einem Euro an den privaten Investor Rainer Löhnitz. Mit dem Verkauf war die Erwartung verbunden, dass die Anlage wiederbelebt und ein Badebetrieb ermöglicht werden sollte. Eine vollständige Wiedereröffnung des ursprünglichen Erlebnisbades blieb jedoch aus. Stattdessen wurden einzelne Bereiche zeitweise für Bowling, Badminton, Tischtennis und andere Sportangebote genutzt. Später kamen kleinere Bade- und Saunabereiche sowie Veranstaltungen hinzu. An die Größe und Popularität des ursprünglichen SEZ konnte der Betrieb allerdings nicht mehr anknüpfen.

Im Jahr 2026 hat sich die Diskussion um die Zukunft des SEZ weiter zugespitzt. Auf dem Gelände wurden geschützte Tierarten beziehungsweise deren Lebensstätten vermutet oder nachgewiesen, die durch den Abriss gefährdet werden könnten. Im August 2026 schien zwischenzeitlich eine andere Entwicklung möglich. Die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft WBM überarbeitete ihre bisherigen Abrisspläne und zog eine frühere Ausschreibung zurück. Dadurch entstand vorübergehend die Hoffnung, dass zumindest Teile des historischen Gebäudekomplexes erhalten bleiben könnten. Am 21. September 2026 wurde jedoch erneut ein Vergabeverfahren für den vollständigen Rückbau veröffentlicht. Die neue Ausschreibung umfasst sowohl die Schadstoffsanierung als auch den Abriss des gesamten Gebäudekomplexes einschließlich der Außenanlagen.
Nach dem veröffentlichten Zeitplan sollen die Arbeiten am 15. März 2027 beginnen und bis zum 31. Oktober 2028 abgeschlossen sein. Die Bewerbungsfrist für das Vergabeverfahren endete am 22. Oktober 2026 um 10 Uhr. Allerdings bedeutet die Ausschreibung noch nicht, dass der Abriss bereits endgültig beauftragt wurde. Die Zukunft des ehemaligen DDR-Freizeitparadieses bleibt deshalb weiterhin umstritten.