Die Temperaturen sinken und mit der zunehmenden Kälte wächst auch die Lust, ein paar gemütliche Stunden im Warmen zu verbringen. Während draußen die ersten Weihnachtsmärkte mit heißem Glühwein locken, bieten sich drinnen ganz andere Möglichkeiten zum Entspannen an. Ein wohltuender Spa-Besuch klingt da besonders verlockend. Und wer lieber ins Wasser eintauchen möchte, denkt vielleicht an einen Ausflug ins Wellenbad. Doch ausgerechnet auf eines der berühmtesten Freizeitbäder Berlins müssen Badegäste noch länger warten. Das Wellenbad am Spreewaldplatz in Kreuzberg ist bereits seit Sommer 2023 geschlossen und wird umfassend saniert. Nun verzögert sich die Wiedereröffnung erneut: Voraussichtlich erst im ersten Quartal 2028 können Besucher wieder in den künstlichen Wellen schwimmen.

Das Wellenbad am Spreewaldplatz liegt direkt am Görlitzer Park und gehört seit Jahrzehnten zu den bekanntesten Schwimmbädern in Kreuzberg. Seit seiner Eröffnung in den 1980er-Jahren begeistert es insbesondere Familien und Kinder mit einer Kombination aus klassischem Schwimmbad und Erlebnisbad. Seine größte Besonderheit ist das künstliche Wellenbecken, in dem Badegäste das Gefühl von Meereswellen erleben können. Damit unterscheidet sich das Bad von gewöhnlichen Hallenbädern, in denen hauptsächlich das sportliche Schwimmen im Mittelpunkt steht.
Neben dem Wellenbecken verfügte das Freizeitbad über ein 25 Meter langes Sportschwimmbecken, ein großes Nichtschwimmerbecken, ein Planschbecken für Kleinkinder und ein separates Sprungbecken mit Ein- und Drei-Meter-Sprungbrett. Auch Wassersprudler, eine Kinderrutsche und ein Saunabereich gehörten zum Angebot. Unter der Woche wurde das Bad außerdem regelmäßig von Schulen und Schwimmvereinen genutzt. Vor der Corona-Pandemie verzeichnete es durchschnittlich rund 225.000 Besuche pro Jahr, was seine große Bedeutung für den Bezirk unterstreicht.
Ursprünglich war eine Bauzeit von etwa dreieinhalb Jahren vorgesehen, doch der Zustand des Gebäudes erwies sich als deutlich problematischer als erwartet. Während der Arbeiten wurden unter anderem Asbest in den Bodenaufbauten und Blei in alten Farbschichten entdeckt. Die fachgerechte Entfernung dieser Schadstoffe erforderte zusätzliche Maßnahmen und führte zu Verzögerungen. Hinzu kommt die technische Komplexität des Gebäudes. Das Freizeitbad wird nahezu vollständig entkernt, während wesentliche Teile des Rohbaus erhalten bleiben. Die gesamte Schwimmbadtechnik, die Wasseraufbereitung, die Lüftungsanlagen sowie die Umkleide- und Sanitärbereiche müssen erneuert werden. Gleichzeitig soll das Gebäude energetisch modernisiert und an heutige technische Standards angepasst werden. Insgesamt sind mehr als 40 verschiedene Gewerke an dem umfangreichen Bauprojekt beteiligt.

Trotz der Verzögerungen schreiten die Bauarbeiten inzwischen sichtbar voran. Wie die Berliner Bäder-Betriebe im September 2026 mitteilten, ist der Rückbau des Gebäudes weitgehend abgeschlossen und der Wiederaufbau hat begonnen. Rund 70 Prozent der neuen haustechnischen Bauteile, darunter Filter und Lüftungsgeräte, sind bereits eingebaut. Auch die neue Fensterfront im Erdgeschoss wurde montiert. Zu den größten Neuerungen gehört eine moderne Breitrutsche mit eigenem Rutschenturm, für den bereits die Fundamente hergestellt werden. Darüber hinaus erhält das Bad ein neues Sprungbecken aus Edelstahl. Für dessen Einbau ist ein rund 60 Meter hoher Kran erforderlich, der das Becken durch das geöffnete Dach in das Gebäude heben soll.
Auch bei der Energieversorgung stehen Veränderungen an. Die drei rund 24 Meter hohen Schornsteine der bisherigen Gasheizung werden entfernt, da das Gebäude inzwischen an das Fernwärmenetz angeschlossen wurde. Damit soll das modernisierte Freizeitbad künftig energieeffizienter betrieben werden. Allerdings werden nach der Wiedereröffnung nicht alle bisherigen Angebote zurückkehren. Bereits im Juli 2025 entschieden die Berliner Bäder-Betriebe, den Saunabereich nicht mit zu sanieren und künftig nicht mehr selbst zu betreiben. Auch auf einen ursprünglich geplanten höhenverstellbaren Hubboden im Sprungbecken wird aus Kostengründen verzichtet.