Ach Berlin, du hast so viele wunderschöne Orte, von idyllischen Urban-Gardening-Projekten über prachtvolle Orangerien bis hin zu einem Wasserfall mitten in der Stadt. Und dann gibt es noch unsere Stammorte, an denen wir Woche für Woche unsere Freizeit verbringen, sei es im Club oder bei anderen Aktivitäten. Solche Orte sollten für immer bleiben, oder nicht? Doch leider stehen einige unserer Lieblinge auf der Kippe. Erst geriet der Club Cassiopeia auf dem RAW-Gelände in Räumungsgefahr – und dabei bleibt es nicht. Nun ist auch ein Teil des beliebten Gleisdreiecks betroffen, einer grünen Oase, die für viele Berliner:innen ein unverzichtbarer Rückzugsort ist.

Das Gleisdreieck ist eine der beliebtesten Grünanlagen der Hauptstadt, die mit weitläufigen Liegewiesen, Sportflächen und urbaner Natur jedes Jahr Tausende Berliner:innen anzieht. Doch genau dieser beliebte Freiraum könnte sich nun verändern: Geplante Hochhausprojekte in direkter Nachbarschaft sorgen derzeit für Diskussionen und Kritik. Der Park am Gleisdreieck liegt zwischen Kreuzberg, Schöneberg und Tiergarten auf dem Gelände ehemaliger Bahnanlagen. Mit einer Fläche von rund 31,5 Hektar gehört er zu den größten innerstädtischen Parks Berlins.
Das Gelände blickt auf eine lange Geschichte zurück. Wo heute Picknickdecken ausgebreitet werden und Kinder spielen, befanden sich einst die Güterbahnhöfe des Potsdamer und Anhalter Bahnhofs. Nach Jahrzehnten des Leerstands entwickelte sich auf der ehemaligen Bahnbrache eine einzigartige urbane Wildnis. Erst nach jahrelangem Engagement von Bürgerinitiativen wurde das Gelände zwischen 2011 und 2014 schrittweise als Park eröffnet.
Heute zählt der Park am Gleisdreieck zu den vielseitigsten Grünanlagen Berlins. Man findet hier große Liegewiesen, Spazier- und Fahrradwege, einen der größten Skateparks der Stadt, Basketball- und Beachvolleyballfelder, Spielplätze sowie zahlreiche ruhige Plätze zum Entspannen. Besonders beliebt sind die Holztribünen und Wiesen, von denen aus man die vorbeifahrende U-Bahn und die Skyline des Potsdamer Platzes beobachten kann.

Doch der Park steht nun erneut im Mittelpunkt einer städtebaulichen Debatte. Kritiker befürchten, dass die Gebäude das Landschaftsbild verändern, wichtige Sichtachsen beeinträchtigen und zusätzliche Verschattung sowie mehr Nutzungsdruck auf die Grünflächen mit sich bringen könnten. Befürworter argumentieren dagegen, dass Berlin dringend neuen Wohnraum benötigt und die Bebauung auf bereits versiegelten Flächen erfolgen soll.
Für viele Berliner:innen geht es bei der Diskussion jedoch um weit mehr als nur zwei neue Gebäude. Der Park am Gleisdreieck gilt als eines der erfolgreichsten Beispiele dafür, wie aus einer ehemaligen Industriebrache ein lebendiger und zugleich naturnaher Freiraum entstehen kann – ein Ort, der Sport, Erholung, Kultur und Natur mitten in der Großstadt vereint.