Im Heinrich-von-Kleist Park in Schöneberg stehen sich zwei freistehende Säulengänge gegenüber, die irgendwie fehl am Platz wirken. Aber ist das nur so eine Empfindung, oder ist da mehr dahinter? Stellt sich heraus, dieser wuchtige Bau stand einst am Alexanderplatz!
Kurzer Tipp vorab: Wenn ihr am Alexanderplatz seid, dann checkt unbedingt dieses immersive Erlebnis aus, bei dem ihr durch 14 verrückte Räume schreitet!
Vom Alexanderplatz in den Heinrich-von-Kleist Park: Die Königskolonnaden

Ursprünglich fungierten die von Carl von Gontard entworfenen Säulengänge als Erweiterung der Königsbrücke. Sie bildeten das repräsentative Entree von der östlichen Königsvorstadt (heute in Berlin Mitte) zum Berliner Schloss hin.
Doch als der darunter liegende Königsgraben aufgeschüttet wurde, schossen neue Häuser in die Höhe und umrahmten die Kolonnaden. Das entrahmte Denkmal aus dem Jahr 1780 wurde Teil des geschäftigen Treibens am alten Alexanderplatz. (Siehe koloriertes Bild unten)
Dann, 1910, kaufte der Unternehmer Wertheim das Grundstück an den Kolonnaden zum Neubau eines Wertheim-Kaufhauses. Die Säulen mussten weg, denn sie versperrten jede Sicht auf zukünftige Schaufenster. Und auch wenn diese Entscheidung damals umstritten war, sollte sie die Königskolonnaden vor der sicheren Zerstörung retten…
Wohin mit den Königskolonnaden?

Dem Umzug ging ein langer Entscheidungsprozess voraus, in dem verschiedene Standorte hitzig diskutiert wurden. Es stand sogar kurz im Raum, die Kolonnaden einfach abzureißen, worauf die Berliner Bürgerschaft protestierte.
Am Ende sollte das 53 Meter lange Ensemble aus Seehausener Sandstein eingepackt und an den nur 50 Meter langen Platz im Schöneberger Heinrich-von-Kleist-Park verfrachtet werden. Wertheim übernahm am Ende die kompletten Kosten für den Umzug in den Schöneberger Westen.
Chaos beim Abbau und eine neue Rückwand

Der Umzug selbst war ein logistischen Albtraum. Zuerst gab es Probleme beim Abbau der alten Sandsteinblöcke, die bereits verwittert waren und auseinanderbrachen. Dann waren die Kolonnaden zu lang und reichten bis auf den Gehweg. Zuletzt standen die Säulengänge (die bisher am Alexanderplatz nach hinten bündig an benachbarte Gebäude anschlossen) im Kleistpark frei. Also mussten die Säulengänge aufwendig nach hinten geöffnet und zur Straße hin umgestaltet werden.
Gute Architektur am falschen Ort

Trotz all der Versuche, die Kolonnaden im Kleistpark heimisch zu machen, wirken sie bis heute fehl am Platz. Und trotzdem war der Umzug ein historischer Glücksfall. Denn er bewahrte die Kolonnaden vor dem Bombenhagel im 2. Weltkrieg, der ihren ursprünglichen Standort am Alex zerstörte.
So haben wir auch heute noch die Chance, durch das massive Sandsteindenkmal zu schlendern, mit seinem verschnörkelten Puttenfiguren auf den Dächern, die mit ihren Attributen auf Handel und Gewerbe anspielen.
📍 Heinrich-von-Kleist-Park, Potsdamer Straße 186, 10783 Berlin
📆 Jederzeit frei zugänglich
⏳ ca. 15-30 Minuten für Besichtigung und Fotos
💵 Kostenlos
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