Geschichtsträchtige Orte findet man in Berlin wohl an (fast) jeder Straßenecke. Viele wurde umgebaut und neugestaltet, sodass sich das Gesicht der Hauptstadt immer wieder zwischen alt und neu bewegt. Auch der Humboldthain gehört dazu: Der Park wurde im Jahr 1869 ursprünglich zu Ehren des Naturforschers Alexander von Humboldt anlässlich seines 100. Geburtstags angelegt. Heute ist er ein 29 Hektar großer Volkspark in Mitte, der zu den beliebtesten Parks in Berlin gehört.
Natur pur: Das bietet der Humboldthain
Nach 1948 wurde der Humboldthain neu gestaltet. Mit den Jahren kamen immer mehr Attraktionen hinzu, die den Park heute so lebenswert machen. Im Rosengarten findet ihr die benötigte Ruhe im Großstadttrubel. Auch der Wassergarten ist beliebt: Das Fließgewässer schlängelt sich durch das Gelände und bildet kleine Tümpel. Wem nach noch mehr Wasser ist, sollte ins Sommerbad am westlichen Rande des Parks gehen und die Sprunganlage und große Rutsche testen.
Aber auch wenn das Wetter nachlässt und der Winter in Berlin einkehrt, ist der Humboldthain sehenswert. Kinder finden das gesamte Jahr über Abenteuerspielplätze. Und auf dem kleinen Bunkerberg im Süden des Parks könnt ihr bei Schnee perfekt rodeln gehen. Damit aber nicht genug: Berlins berüchtigte Clubszene findet auch im Humboldthain Halt. Im gleichnamigen Club direkt am Park lässt es sich Wochenende für Wochenende gut feiern.
Etwas Neues aus der Zerstörung: Wie die Humboldthöhe entstand

Die größte Besonderheit und das sichtbarste historische Zeugnis des Humboldthains ist die Humboldthöhe und die Ruinen des ehemaligen Flaktürme. Währned des zweiten Weltkriegs, genauer gesagt zwischen 1941 und 1942 wurde im Park riesige Flak-Turmpaare gebaut. Sie dienten zur Verteidigung des Berliner Luftraums und außerdem als Hochbunker für bis zu 15.000 Bürger:innen.
Nach Ende des Krieges versuchten die französischen Alliiertern, einen Teil der Türme – den Gefechtsbunker – zu sprengen. Das klappt aber nur halbwegs. Die südliche Hälfte stürzte ein, die nördliche Hälfte blieb allerdings stehen. Denn es herrschte die Sorge, dass die nahegelegenden Gleise der Ringbahn beschädigt werden könnten.
In den Jahren nach dem Krieg schüttete man rund 1,6 Millionen Kubikmeter Trümmer- und Industrieschutt aus dem zerstörten Berlin auf der eingestürzten Hälfte auf. Und siehe da, schon hatte Berlin aus Schutt und Asche etwas Neues entstehen lassen: Die 84,5 Meter hohe Humboldthöhe.
Zwischen Geschichte und Naturschutz: Die Ruinen heute

Heute könnt ihr von der Humboldthöhe aus einen Panoramablick genießen. Auf dem verbliebenen Stumpf des Bunkers befindet sich eine Aussichtsplattform, die einen weiten Blick über den Norden Berlins bietet. Und für Kletterbegeisterte hat sich der Deutsche Alpenverein etwas Besonderes ausgedacht: Die Außenwände des erhaltenenen Flakturms wurden zur Kletterwand umgebaut.
Der Verein Berliner Unterwelten e.V. bietet Führungen durch die freigeräumten Teile des Bunkers an, um die Geschichte dieses „Zeugen aus Beton“ erlebbar zu machen. Im Winter ist das allerdings aufgrund einiger besonderer Bewohner des Flakturms eingeschränkt. Denn im Inneren überwintern heute Hunderte von Fledermäusen. Dadurch ist der Bunker auch ein wichtiges Naturdenkmal.
Der Humboldthain verbirgt seine kriegerische und lange Vergangenheit nicht. Auf dem Bunker befindet sich auch das Mahnmal für die Einheit Deutschlands, das am sechsten Jahrestag des Mauerbaus eingeweiht wurde. Neben Erholung und einer Menge Grün lädt der Park dazu ein, sich zu erinnern – und aus der dunklen Geschichte zu lernen.