Wer an Hildegard Knef denkt, denkt an eine rauchige Stimme, die „Für mich soll’s rote Rosen regnen“ singt . Weniger bekannt ist, dass sie im April 1945 weder auf einer Bühne noch vor einer Kamera stand, sondern in einer Uniform steckte, die ihr mehrere Nummern zu groß war.
Hildegard Knef: Ein Schöneberger Kind beim Film

Geboren 1925 in Ulm, wächst Hildegard Knef in Schöneberg auf. Schon als Teenager zieht es sie zum Film: Sie beginnt bei der UFA, zeichnet zunächst Trickfilme und wechselt dann an die Schauspielschule des Studios. Erste Rollen folgen, doch der Krieg verhindert ihren Durchbruch.
In dieser Zeit lernt sie Ewald von Demandowsky kennen, Produktionschef der Terra Film, fast zwei Jahrzehnte älter und ein einflussreicher Mann im NS-Filmbetrieb. Die Beziehung zu ihm wird sie im Frühjahr 1945 mitten in die Schlacht um Berlin führen.
Aprilkämpfe 1945

Als die Rote Armee im April auf die Stadt vorrückt, ist Knef 19. Nach ihrer eigenen Schilderung in der Autobiografie „Der geschenkte Gaul“ (1970) schneidet sie sich die Haare ab, schlüpft in Männerkleidung und folgt dem Geliebten in den Kampf. Verkleidet als ein Soldat mit Namen „Heinz“ erlebt sie Straßenkampf, Granatfeuer und das Sterben um sich herum.
Bald darauf gerät sie in sowjetische Gefangenschaft. Erst dort fällt auf, dass der vermeintliche junge Soldat eine Frau ist. Nach 3 Monaten gelingt ihr die Flucht, krank und verletzt schlägt sie sich zurück in das zerstörte Berlin durch. Demandowsky stirbt 1946 in sowjetischer Haft.
Disclaimer: Wie viel von dieser Geschichte sich exakt so zugetragen hat, ist unter Historikern umstritten.
Neuanfang in den Trümmern

Schon 1946 steht sie wieder vor der Kamera: In Wolfgang Staudtes „Die Mörder sind unter uns“, dem ersten deutschen Spielfilm der Nachkriegszeit, gedreht in den Ruinen Berlins, spielt sie eine Überlebende eines Konzentrationslagers, die in die Trümmerstadt heimkehrt. Der Film macht sie bekannt.
Aus dem Mädchen in der viel zu großen Uniform wurde eine der bekanntesten Berlinerinnen ihrer Zeit: Schauspielerin, Sängerin, Autorin. Wer heute durch Schöneberg spaziert, geht durch das Viertel, in dem diese ungewöhnliche Karriere begann.