Vor 100 Jahren richteten Hunderte Statisten ihre zitternden Hände Richtung eines fiktiven Erlösers. Es sollten dieselben Menschen sein, die 7 Jahre später ihre Hände nach einem neuen, schrecklichen Erlöser ausstreckten und das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte einleiteten.
Und so war “Metropolis” prädestiniert, im Sinne seiner Weimarer Entstehung – ein Land so kurz vor dem Untergang – gelesen zu werden. Aber Fritz Lang’s Meisterwerk hat uns auch heute viel zu sagen: Denn der 1926 gedrehte Film spielt im Jahr 2026.
Lasst uns also einen genaueren Blick auf “Metropolis” von Fritz Lang werfen und sehen, was der Film uns heute freiwillig und unfreiwillig zu sagen vermag. (Schaut außerdem im Babylon Kino in Berlin vorbei, wo der Film mit Live-Orchester gezeigt wird!)
Fritz Lang’s Zukunftsvision: Metropolis (1927)

Seit er 1924 die Skyline von New York erblickt hatte, war Regisseur Fritz Lang vom Bild einer vertikal gespaltenen Gesellschaft besessen. Oben die Elite in ihren Wolkenkratzern; unter der Oberfläche die Masse der Arbeiter. Er kombinierte dies mit der biblischen Vision des Gemäldes “Turmbau zu Babel“ von Bruegel (siehe Bild oben).
Gleich New York und Berlin verschluckt die Stadt Metropolis ihre Bewohner. Die Arbeiter sind einsam, entfremdet und auf eine bloße Funktion reduziert. Eine unglückliche Situation, die im unausweichlichen Gefecht enden muss.
Wie kann man einen unausweichlichen Konflikt beherrschen?

Um den schwelenden Aufstand zu unterdrücken, lässt der Herrscher von Metropolis einen Maschinenmenschen erschaffen. Dieser wird (statt von einem Zauberer mit Magie) von einem Erfinder mit Technologie geschaffen. Drehbuchautorin Thea von Harbou veränderte gängige literarische Motive, um eine moderne Geschichte im Stil einer epischen Volkssage zu schreiben.
Die Gefahr dieses Roboters liegt nicht in seiner physischen Stärke, sondern darin, dass er die perfekte Kopie der Arbeiteranführerin Maria ist. Er ist ein KI-Deepfake, der ihr menschliches Wesen simuliert, gezielt Desinformation streut, die Massen in eine hysterische Echokammer treibt und sie in kollektive, blinde Selbstzerstörung lenkt.
Langs gigantische 5-Millionen-Mark-Produktion

Die Dreharbeiten dauerten ganze 17 Monate, viel länger als geplant. Es wurden rund 36.000 Komparsen eingesetzt. Aufgrund der massiven Kulissen und Spezialeffekte mussten eigene Ateliers errichtet werden. Dazu wurden Unmengen an Filmmaterial verbraucht: über 600.000 Meter Negativfilm.
Als der Film dann nach seiner Premiere 1927 an den Kinokassen floppte, geriet die UfA in finanzielle Schieflage und ging beinahe pleite. Man empfand ihn als zu lang, zu pathetisch und kritisierte seine kitschige Schlussmoral: „Mittler zwischen Hirn und Händen muss das Herz sein“ – das bezog der Film auf das Verhältnis von Fabrikherren und Arbeitern.
In den 20ern glaubten einige Menschen (ganz nach Nietzsche), die alte Welt müsse untergehen, damit ein „Neuer Mensch“ entstehen könne. Dieser sollte von Empathie, Liebe, Geist und Humanität geleitet sein.
Das ist Metropolis 2026

Im Film ist der “Neue Mensch” zwar nicht der Roboter, sondern – surprise, surprise – ein Mensch. Aber nicht die radikale Arbeiterin Maria, sondern der Sohn des Herrschers, der als Mittler zwischen ArbeiterInnen und Oberklasse in Erscheinung tritt. Man erhebt den antidemokratischen Vertreter zum neuen Unterdrücker im Schafspelz.
Heute wird uns in Form von Superheldenfilme die Rettung der Menschheit durch antidemokratische Vertreter verkauft. In diesem Sinne bieten sich die verständnislosen Söhne des Kapitals bereitwillig an, all unsere Probleme mit Technologie zu lösen.
Thea von Harbou und Fritz Lang sollten recht behalten: KI-Systeme dringen in unser kollektives Denken ein, synthetische Medien gestalten unsere Realität und Milliardäre inszenieren sich als Vermittler zwischen dem Volk und dem Herrschersystem. Nur ist das eben kein Happy End!