Außergewöhnliche Architektur ist in Berlin nichts Ungewöhnliches. Vom „Wal am Brandenburger Tor“ nach Plänen von Frank O. Gehry bis hin zu einer der schönsten neobarocken Hallen der Stadt im Landgericht Berlin – besondere Bauwerke gibt es hier reichlich zu entdecken. Doch einige der spannendsten Architekturschätze Deutschlands liegen auch außerhalb der Hauptstadt und zum Glück gar nicht weit entfernt. Mitten im Zentrum von Magdeburg steht ein Gebäude, das zwischen der umliegenden historischen und modernen Architektur kaum auffälliger sein könnte: Die Grüne Zitadelle mit ihrer rosafarbenen Fassade, goldenen Kugeln, begrünten Dächern und unregelmäßigen Fenstern gehört zu den letzten großen Architekturprojekten von Friedensreich Hundertwasser.

Ihre Geschichte begann bereits in den 1990er-Jahren. Ursprünglich sollte Hundertwasser lediglich einen bestehenden Plattenbau am Breiten Weg umgestalten. 1998 nahm er das Projekt an, doch aus der geplanten Umgestaltung entwickelte sich schließlich die Idee eines kompletten Neubaus. Der bestehende Bau wurde abgerissen und Hundertwasser entwickelte gemeinsam mit dem Architekten Peter Pelikan die Pläne für das neue Gebäude.
1999 waren Hundertwassers Planungen weitgehend abgeschlossen. Aus Neuseeland schrieb er damals, dass das Magdeburger Projekt sein „schönster und bester Bau“ werden würde. Auch den Namen „Die Grüne Zitadelle von Magdeburg“ legte Hundertwasser selbst fest. Das fertige Gebäude konnte er allerdings nie sehen. Hundertwasser starb am 19. Februar 2000 und damit mehrere Jahre vor Beginn der eigentlichen Bauarbeiten. Seine Planungen waren zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits so weit fortgeschritten, dass Modelle, Zeichnungen und detaillierte Gestaltungsvorgaben vorlagen. Die Architekten Peter Pelikan und Heinz M. Springmann konnten das Projekt deshalb nach seinem Tod realisieren. Der erste Spatenstich erfolgte im Dezember 2003 und im März 2004 wurde der Grundstein gelegt. Am 3. Oktober 2005 konnte die Grüne Zitadelle schließlich feierlich eingeweiht werden.

Wer die Grüne Zitadelle zum ersten Mal sieht, dürfte sich vor allem eine Frage stellen: Warum trägt ein auffällig rosafarbenes Gebäude ausgerechnet das Wort „grün“ im Namen? Das Grün bezieht sich nicht auf die Farbe der Fassade, sondern auf die Natur, die Hundertwasser in seine Architektur integrieren wollte. Auf und an dem Gebäude befinden sich begrünte Flächen, Pflanzen und Bäume. Dahinter steckt die Idee, der Natur auf den Dächern zumindest einen Teil jener Fläche zurückzugeben, die ihr durch die Bebauung am Boden genommen wurde.
Auch das Wort „Zitadelle“ wurde bewusst gewählt. Der Name nimmt Bezug auf Magdeburgs Vergangenheit als bedeutende Festungsstadt. So entstand die zunächst widersprüchlich klingende Bezeichnung „Grüne Zitadelle“ für das rosafarbene Gebäude.