Berliner Gebäude haben es architektonisch oft in sich – und nicht immer lässt die Fassade erahnen, was sich dahinter verbirgt. So überrascht etwa das Landgericht Berlin-Mitte mit einer der wohl schönsten neobarocken Hallen der Stadt. Doch damit nicht genug: Auch beim DZ-Bank-Gebäude liegt das Spannendste im Inneren. Von außen streng und zurückhaltend, von innen ein typischer Gehry. Gerade der starke Kontrast zwischen der zurückhaltenden Außenfassade und der spektakulären Innenarchitektur macht den Bau so außergewöhnlich.

Wer am Pariser Platz vorbeiläuft, würde vermutlich kaum vermuten, was sich hinter der vergleichsweise nüchternen Sandsteinfassade verbirgt. Dieser Kontrast war durchaus beabsichtigt und zugleich eine Folge der besonderen Lage. Für die Neubauten am Pariser Platz galten nach der Wiedervereinigung strenge städtebauliche Vorgaben. Frank O. Gehry konnte hier also keine expressive, skulpturale Außenhülle entwerfen, wie man sie etwa vom Guggenheim-Museum in Bilbao kennt. Stattdessen musste sich die Fassade in das historische Ensemble rund um das Brandenburger Tor einfügen. Form und Farbgebung nehmen deshalb bewusst Bezug auf die Architektur der unmittelbaren Umgebung.
Gehry bezeichnete das Ergebnis sinngemäß als ein „implodiertes Gehry“-Gebäude. Die für ihn typischen wilden, geschwungenen Formen wurden gewissermaßen von außen nach innen verlagert. Sobald man das Gebäude betritt, verändert sich die Architektur komplett. Hinter dem Eingang öffnet sich ein großes, lichtdurchflutetes Atrium mit einem geschwungenen Glasdach und teilweise gläsernem Boden. Rund um diesen zentralen Innenraum sind die Büroräume angeordnet. Im Mittelpunkt des Atriums steht das eigentliche Highlight des Gebäudes: eine riesige, organisch geformte Raumskulptur aus Edelstahl. Je nach Perspektive erinnert ihre Form an einen Fisch, einen Wal oder sogar an einen Pferdekopf.
Dabei handelt es sich jedoch nicht einfach nur um ein Kunstwerk. Im Inneren der Skulptur befindet sich ein Konferenzsaal. Während die Außenhaut aus Edelstahl besteht, ist der Innenraum vollständig mit warmem Holz verkleidet. Bis zu 100 Personen finden darin Platz. Die DZ Bank bezeichnet den Raum als Herzstück des Gebäudes. Gehry selbst soll die Skulptur sogar als die „beste Form“ bezeichnet haben, die er bis dahin entworfen hatte.

Auch aus der Vogelperspektive sorgt das Gebäude für einen überraschenden Effekt. Das geschwungene Glasdach mit seiner Edelstahlkante erinnert an einen Wal, der aus dem Wasser auftaucht. Diese Assoziation ist nicht völlig zufällig, denn Gehry ließ sich in seiner Architektur immer wieder von Fischen und anderen Meereslebewesen inspirieren. So entstand für das Gebäude auch der Spitzname „Wal am Brandenburger Tor“.
Direkt unterhalb des Atriums befindet sich ein weiterer großer Veranstaltungsbereich. Das sogenannte Forum bietet Platz für bis zu 500 Personen und wird unter anderem für Kongresse, politische Veranstaltungen, Preisverleihungen und Dinner genutzt. Der teilweise gläserne Boden des Atriums verbindet die verschiedenen Ebenen optisch miteinander und verstärkt den außergewöhnlichen räumlichen Eindruck. Zusätzlich befindet sich im Atrium eine rund 610 Quadratmeter große Glasinstallation des Künstlers Nikolas Weinstein. Sie besteht aus 34 speziell angefertigten Glaselementen und ergänzt die spektakuläre Architektur des Innenraums.
Das DZ-Bank-Gebäude ist außerdem kein reines Büro- oder Bankgebäude. Gehry plante einen Mixed-Use-Komplex, der Büros, Veranstaltungsflächen und Wohnungen miteinander verbindet. Während sich der Bankbereich zum Pariser Platz und damit zum Brandenburger Tor orientiert, liegt der Wohnbereich auf der Rückseite zur Behrenstraße. Dort konnte Gehry deutlich freier gestalten. Entsprechend fällt die rückwärtige Fassade wesentlich plastischer und wellenförmiger aus und erinnert stärker an den expressiven Stil, für den der Architekt international bekannt ist.
Bei der genauen Zahl der Wohnungen unterscheiden sich die Quellen. Während einige Architekturquellen 39 Wohnungen nennen, spricht die DZ Bank von 30 Eigentumswohnungen. Für einen Artikel würde ich die genaue Zahl deshalb eher weglassen.