Wer vom Anhalter Bahnhof Richtung Schöneberger Straße geht, steht vor einem fensterlosen Betonklotz, der sich jeder Verschönerung widersetzt. Zwischen der Ruine des Anhalter Bahnhofs und Potsdamer Platz steht einer von einst 360 Berliner Bunkern.
Anhalter Hochbunker: Von Kriegszuflucht zum Berlin Story Bunker
Berlin: Eintrittskarte Für Den Berlin Story Bunker
31 Oktober 2026 00:00 + mehr Daten
Potsdamer Platz
Der Bunker wurde 1942 von Zwangsarbeitern errichtet, im Rahmen des „Führersofortprogramms Bunkerbau“ und für die Zivilbevölkerung. Ein Tunnel verband ihn mit dem Anhalter Bahnhof, sodass Reisende bei Fliegeralarm schnell Schutz fanden. (Der Tunnel zwischen Bunker und Bahnhof existiert bis heute, ist aber verschlossen.)
Hinter den bis zu viereinhalb Meter dicken Wänden sollten 3.500 Menschen Zuflucht finden. Doch zum Kriegsende drängen sich 12.000 Schulter an Schulter in den Bunker. Berichten zufolge fehlte es dabei an Lebensmitteln und sanitären Anlagen.
Der Krieg ist vorbei, die Anspannung bleibt
Im Kalten Krieg verpflichteten die westlichen Alliierten den West-Berliner Senat nach Blockade und Luftbrücke, Vorräte anzulegen. Sie sollten das normale Leben in der Stadt im Ernstfall mindestens 180 Tage sichern, damit eine neue Blockade sinnlos würde.
Der Anhalter Bunker gehörte zu den Lagern dieser Senatsreserve, in der unter anderem Fischkonserven gehortet wurden. Nach dem Fall der Mauer und dem Ende des Kalten Krieges wurde die Reserve aufgelöst.
Was macht ein vereintes Deutschland mit einem Bunker?

Nach der Wiedervereinigung zog Mitte der 1990er ein privat betriebenes Gruselkabinett ein, in dem Schauspieler Besucher erschreckten. Wer durch die unheimlichen Teile des Bunkers geführt wurde, hörte die Schreie durch die Lüftung.
Der finale Umbau begann 2014. Seitdem beherbergt das Gebäude den Berlin Story Bunker. Es hat 3 oberirdische und 2 unterirdische Geschosse mit zusammen rund 6.500 qm. Unumstritten war das nicht. 2016 stellte das Museum den Nachbau eines Teils des Führerbunkers vor, ein Projekt, das nicht überall Zustimmung fand. Ein Sprecher der benachbarten Topographie des Terrors kritisierte es als Effekthascherei, Kurator Wieland Giebel widersprach und betonte, man inszeniere keine „Hitler-Show“.
Bildet euch im Berlin Story Bunker selbst ein Urteil

Die Ausstellung „Deutschland 1945 bis heute“ zeigt den Wiederaufbau aus den Trümmern bis in die Gegenwart. Sonderausstellungen zur Ukraine thematisieren den aktuellen Krieg. Eine weitere Schau geht der Frage nach, wie es zur Hitler-Begeisterung kam und wie Deutschland sich radikalisierte.
So kommt ihr hin: Das Museum liegt in der Schöneberger Straße 23a in Kreuzberg, nur wenige Schritte vom S-Bahnhof Anhalter Bahnhof entfernt. Öffnungszeiten und Eintrittspreise ändern sich gelegentlich, deshalb lohnt vorab ein Blick auf die Website. Gerade weil der Bunker so wuchtig, kühl und beengt wirkt, ist er einen Besuch wert.
31 Oktober 2026 00:00 + mehr Daten
Potsdamer Platz