Zugegeben: Wenn wir an Belvedere denken, kommt uns wohl meist das weltberühmte Schloss in Wien in den Sinn. Aber auch in Potsdam steht eine sehenswürdige Schlossanlage mit diesem Namen. Der Begriff „Belvedere“ stammt aus dem Italienischen und bedeutet schlicht „schöne Aussicht“. Da dieser Name für herrschaftliche Gebäude mit prachtvollem Weitblick sehr beliebt war, gibt es gleich mehrere berühmte Schlösser mit diesem Namen. Und zu den schönsten Palästen rund um Berlin gehört auch das Belvedere in Potsdam.
Köngliche Ausblicke auf dem Pfingstberg

Das Belvedere auf dem Pfingstberg ist eines der markantesten Bauwerke Potsdams und Teil des UNESCO-Welterbes. Es gilt als der Inbegriff des „preußischen Arkadiens“ und bietet die spektakulärste Aussicht über die Stadt und das Umland. Denn mit 76 Metern über dem Meeresspiegel ist der Pfingstberg die höchste Erhebung Potsdams. Nicht viel, aber dennoch! Von den beiden Türmen blickt man über die Havelseen, das Stadtzentrum bis hin zum Berliner Fernsehturm.
Das Schloss selbst ist fast 200 Jahre alt. Die Bauzeit begann im Jahr 1847, aber der Bau wurde 1852 aufgrund politischer Unruhen und Geldmangels unterbrochen. Erst 1863 wurde es unter Wilhelm I. in einer deutlich reduzierten, kleineren Fassung fertiggestellt. Der Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV., auch der „Romantiker auf dem Thron“ genannt, entwarf das Schloss nach dem Vorbild italienischer Renaissance-Villen. Er ließ auch private Rückzugsorte errichten, die heute einen intimen Einblick in sein Liebesleben gewähren.
Ein Schloss mit fast verschwundener Romantik

Fast hätte es das Belvedere in Potsdam nicht gegeben. Während der deutschen Teilung verfiel das Gebäude zusehends, da es im Grenzgebiet lag. Der Blick in Richtung West-Berlin war unerwünscht. Erst nach dem Mauerfall erwachte das Belvedere aus seinem Dornröschenschlaf. Ab 1987 setzte sich eine private Bürgerinitiative für die Rettung ein: heute wird es als einziges Denkmal des UNESCO-Welterbes von einem privaten Verein betrieben.
Das Schloss hat eine besonders romantische Atmosphäre. Mit den Arkaden, Kolonnaden, Galerien, dem Wasserbecken im Innenhof und den beiden Aussichtstürmen mutet es fast italienisch an. Im Inneren findet ihr das Murische Kabinett: Ein prachtvoller Innenraum, der mit rot-blau-goldenen, glasierten Fliesen und Ornamenten gestaltet ist. Die umliegende Parkanlage wurde vom Gartenkünstler Peter Joseph Lenné gestaltet und lädt im Winter wie Sommer zum Spazieren ein. Für acht Euro könnt ihr das Belvedere in Potsdam besuchen. Für Gruppen werden spezielle Führungen angeboten.