Wer den Namen Lilienthal hört, denkt an Gleiter, Flügel und den Traum vom Fliegen. Dass Otto Lilienthal und sein jüngerer Bruder Gustav auch das erste echte Systemspielzeug der Welt erfanden, wissen die wenigsten. Dabei prägte ihr Spielzeug Generationen von Kindern.
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Der Anker-Steinbaukasten: Eine Erfindung von Otto und Gustav Lilienthal aus dem Jahr 1880

Lange bevor LEGO 1958 sein Noppen-Röhren-System patentieren ließ, entwickelten die Brüder einen Baukasten aus kleinen, normierten Steinen. Kinder konnten damit maßstabsgetreue Gebäude errichten: aus Quadern, Säulen, Bögen, Giebeln und Dächern.
Die Steine bestanden aus Quarzsand, Kreide und Leinöl und leuchteten in Rot, Gelb und Blaugrau. 1880 verkaufte Gustav die Idee an den Rudolstädter Fabrikanten Friedrich Adolf Richter, der daraus ein Imperium aufbaute. Seit 1895 wurden die Kästen unter dem Namen „Anker-Steinbaukasten” vertrieben, ein Exportschlager bis weit ins 20. Jahrhundert.
Ein revolutionäres Prinzip: Was Systemspielzeug ausmacht

Alle Teile folgten einem gemeinsamen Maßsystem, ließen sich beliebig kombinieren und mit jedem Zukauf erweitern. Aus einem kleinen Kasten wurde so nach und nach ein ganzes Schloss.
Genau diese Logik steckt bis heute in jedem Baustein-Set (Lego, Playmobil, fischertechnik). Überliefert ist, dass Größten wie Walter Gropius und Albert Einstein mit Anker-Steinen gespielt haben sollen.
Vom Kinderzimmer in die Stadt

Gustav Lilienthal nahm das Bauen im Kleinen ernst. Als Architekt und Sozialreformer wollte er bezahlbaren und zugleich schönen Wohnraum schaffen. In Berlin-Lichterfelde entstanden nach seinen Plänen märchenhafte Häuser mit Türmchen, Erkern und Zinnen, die „Lilienthal-Burgen”. Wenn ihr dort spazieren geht, seht ihr den Anker-Baukasten in groß: verspielt, eigenwillig und überraschend modern.
Otto, der Flieger
Otto Lilienthal widmete sich derweil dem Fliegen. Mit seinen Gleitern gelangen ihm als erstem Menschen wiederholte Flüge über weite Strecken. Am 9. August 1896 stürzte er am Gollenberg bei Stölln ab und starb am Tag darauf in Berlin. Er inspirierten unter anderem die Brüder Wright.
Berliner Erfindergeist bis heute
Die Geschichte der Lilienthals zeigt, wie eng in Berlin Technik, Spiel und Architektur verwoben waren. Wenn ihr mehr erfahren möchtet, könnt ihr das Otto-Lilienthal-Museum in Anklam, die Lilienthal-Gedenkstätte am Gollenberg + die Lady Agnes in Stölln oder den Fliegerberg im Lilienthalpark besuchen.
Übrigens: Anker-Steinbausteine gibt es bis heute. Wir haben euch mal auf deren Website das krasseste Projekt rausgesucht, das fast 2400 Teile hat und über 30 kg wiegt.