Packt eure Sachen für einen Tagesausflug nach Brandenburg an der Havel. Dort gibt es die St. Gotthardtkirche zu entdecken – das älteste Gotteshaus der Stadt, das bereits im Jahr 1140 gegründet wurde.
Wer jetzt denkt, alte Gemäuer seien nur was für den verstaubten Geschichtsunterricht, irrt sich gewaltig. Der markante Bau im Herzen der historischen Altstadt liefert euch den perfekten Mix aus beeindruckender Baukunst und kuriosen Schätzen, die selbst Kulturbanausen staunen lassen.
Die St. Gotthardtkirche in Brandenburg an der Havel: Romanische Wucht trifft auf lichterne Spätgotik

Wenn ihr auf dem Gotthardtkirchplatz steht, baut sich vor euch ein trutziger Turm auf. Das romanische Westwerk sieht auf den ersten Blick mehr nach wehrhafter Burg als nach friedlicher Kirche aus.
Wenn ihr dann aber durch das Portal tretet, ändert sich die Stimmung schlagartig. Drinnen öffnet sich eine helle, weitläufige spätgotische Hallenkirche. Dieser harte Bruch in der Bauweise macht den Rundgang so spannend.
Meisterwerke, die man gesehen haben muss

In der historischen Taufkapelle der Kirche wartet ein ganz besonderer Schatz auf euch: der berühmte Einhornteppich, der vermutlich aus dem 15. Jahrhundert stammt. Dieses rund 5,5 Meter lange Meisterwerk der Webkunst zeigt eine Szene mit einer Jagdgesellschaft und einer jungen Frau, die sanft das Horn eines Einhorns umfasst.
Woher der intensiv farbige Teppich stammt und was seine rätselhafte Symbolik genau bedeutet, können Fachleute bis heute nicht eindeutig sagen. Nach einer aufwendigen Restaurierung könnt ihr das wertvolle Stück seit 2026 in einer speziellen Klimavitrine bewundern.
Getauft auf den einen Namen, berühmt geworden unter einem anderen

Ebenso spektakulär ist die spätromanische Bronzetaufe aus dem 13. Jahrhundert. Das kunstvolle Becken wird von vier gegossenen Männerfiguren getragen, während am oberen Rand kleine Löwenköpfe zur „Dämonenabwehr“ wachen. Es zählt zu den wertvollsten Kunstschätzen der gesamten Mark Brandenburg.
Hier wurde Vicco von Bülow getauft, den wir heute vor allem unter seinem Künstlernamen Loriot kennen!
Auch der berühmte Renaissance-Altar von 1559 (der erste reformatorische Altar der Mark Brandenburg) und das historische Triumphkreuz sind echte Hingucker.
Gänsehaut-Sound und bewegte Geschichte

Dreht euch beim Rausgehen unbedingt noch einmal um und schaut nach oben auf die Orgelempore. Die ursprüngliche, berühmte Wagner-Orgel der Kirche fiel 1972 leider einem tragischen Brand zum Opfer.
Doch heute thront dort eine gewaltige, moderne Schuke-Orgel, die einen Sound abliefert, der absolut unter die Haut geht. Schaut am besten vorab in den Kalender der Kirche. Wenn ihr ein Konzert erwischt, ist das der absolute Jackpot.
(Kleiner Tipp: Wer aber unbedingt eine historische Wagner-Orgel aus dem Jahr 1727 sehen und hören will, spaziert danach einfach weiter zur nahen St. Katharinenkirche!)
So kommt ihr zur St. Gotthardtkirche in Brandenburg an der Havel
Mit den Öffis nehmt ihr den RE1 und steht nach rund 45 Minuten Fahrtzeit plus einem kurzen Spaziergang direkt vor dem Eingangsportal. Mit dem Auto cruist ihr entspannt über die B1 oder A2 in rund einer Stunde hin.
📍 Gotthardtkirchplatz, 14770 Brandenburg an der Havel
📆 Täglich geöffnet, i. d. R. 11-16 Uhr (im Winter teils erst ab 11:30 oder 12 Uhr)
⏳ Ca. 30 Minuten für die Kirche, lasst euch danach noch durch die Altstadt treiben
💵 Eintritt frei (Spenden für den Erhalt sind immer gern gesehen)
ℹ️ Mehr Infos