Den einen oder anderen würde es überraschen, welche Naturwunder und Landschaften Deutschland zu bieten hat. Neben idyllischen Seen und dichten Wäldern gibt es hier auch Wasserfälle, die an die Niagarafälle erinnern, sowie faszinierende Felsformationen mit geheimnisvollen Höhlen, die zum Entdecken einladen. Und damit nicht genug: Die Sandsteinhöhlen bei Blankenburg zählen zu den außergewöhnlichsten Natur- und Kulturdenkmälern im Harz.

Mit ihrem hellen Sand, den weißen Sandsteinfelsen und den kleinen Höhlen erinnern sie auf den ersten Blick eher an eine Wüstenlandschaft als an einen Wald und gelten deshalb als echter Geheimtipp für Naturfreunde. Die Sandhöhlen liegen bei Blankenburg in Sachsen-Anhalt, nordöstlich unterhalb der Burg Regenstein im Waldgebiet Heers. Vom Parkplatz der Burg Regenstein sind sie in etwa fünf Minuten mit dem Auto oder nach einer rund 20- bis 30-minütigen Wanderung zu erreichen.
Besonders spannend ist ihre Entstehungsgeschichte. Der Sandstein bildete sich zwar bereits vor rund 83 Millionen Jahren, als sich hier noch ein flaches Meer befand, die heutigen Höhlen entstanden jedoch größtenteils durch den Menschen. Über viele Jahrhunderte wurde hier besonders feiner Quarzsand abgebaut, wodurch die charakteristischen Hohlräume und Felsformationen entstanden. Der weiße Quarzsand war früher ein begehrter Rohstoff. Er wurde als Scheuersand zum Reinigen von Holz- und Steinböden, als Stubensand für Dielen sowie teilweise als Streusand verwendet. Der Sandabbau begann bereits im Mittelalter und dauerte bis ins 19. Jahrhundert an.
Dass die Landschaft heute fast wie ein kleiner Strand wirkt, hat ebenfalls einen natürlichen Grund. Der weiche Sandstein verwittert sehr schnell, sodass Wind und Regen ständig feinen Sand aus den Felsen lösen. Dadurch bedeckt heller Sand den Boden und sorgt für das ungewöhnliche Landschaftsbild mitten im Kiefernwald. Nicht umsonst werden die Sandhöhlen deshalb häufig als „Strand im Harz“ bezeichnet.

Auch Filmproduktionen haben die außergewöhnliche Kulisse bereits für sich entdeckt. Die Sandhöhlen dienten unter anderem als Drehort für „Das singende, klingende Bäumchen“, den „Polizeiruf 110 – Hexen brennen“ sowie den Kinofilm „Woodwalkers“.
Mitten auf der Lichtung befindet sich außerdem der Dedingstein. Historiker vermuten, dass sich hier einst ein germanischer Thingplatz befand, an dem Gerichts- und Stammesversammlungen abgehalten wurden. Eindeutig belegt ist diese Theorie bislang jedoch nicht.
Seit 2018 stehen die Sandhöhlen als Kulturdenkmal unter Schutz. Da der Sandstein sehr weich ist und durch Wind und Wetter ohnehin stetig abgetragen wird, bitten die Behörden Besucher, keine Inschriften in die Felsen zu ritzen, keine Sandsteinstücke abzubrechen und ausschließlich auf den ausgewiesenen Wegen zu bleiben.