Ob eine Berliner Pop-Architektur-Ikone oder ein ehemaliges Quelle-Kaufhaus – die Stadt versteht es wie kaum eine andere, historische Orte in moderne Gastronomie-Hotspots zu verwandeln. Von Food Halls nach Londoner Vorbild bis hin zu traditionsreichen Markthallen gibt es in Berlin heute für nahezu jeden Geschmack das passende Konzept. Doch damit sind die spannenden Gastro-Adressen der Hauptstadt noch lange nicht erschöpft. Viele Berlinerinnen und Berliner dürften die Schließung des legendären Rogacki in Charlottenburg bedauert haben – schließlich galt das traditionsreiche Feinkosthaus fast ein Jahrhundert lang als Institution der Berliner Genusskultur. Nun gibt es jedoch erfreuliche Nachrichten: Zum 100-jährigen Jubiläum im Jahr 2028 soll Rogacki mit einem komplett neuen Stammhaus an einem neuen Standort zurückkehren.

Fast 100 Jahre lang gehörte Rogacki zu den bekanntesten Feinkostadressen Berlins. Nach dem Tod des langjährigen Inhabers Dietmar Rogacki im Mai 2025 und der anschließenden Insolvenz schien die traditionsreiche Marke zunächst vor dem Aus zu stehen. Doch inzwischen gibt es konkrete Pläne für eine Rückkehr. Der Berliner Unternehmer Daniel-Jan Girl hat die Markenrechte sowie die traditionellen Rogacki-Rezepte übernommen und dafür die Rogacki Deutschland Holding gegründet. Ziel ist es, die Berliner Kultmarke neu aufzustellen und bis zum 100-jährigen Jubiläum im Jahr 2028 ein neues Stammhaus zu eröffnen.
Fest steht bereits, dass das neue Stammhaus nicht an den historischen Standort in der Wilmersdorfer Straße zurückkehren wird. Die Immobilie befindet sich derzeit in der Zwangsvollstreckung beziehungsweise Zwangsversteigerung und kommt deshalb nicht mehr infrage. Stattdessen sucht das Unternehmen nach einem neuen Standort im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf, um die Verbindung zum traditionellen Heimatbezirk der Marke zu erhalten. Ein konkreter Ort wurde bislang noch nicht bekannt gegeben.
Das Projekt soll dabei deutlich mehr werden als die Wiedereröffnung eines klassischen Feinkostgeschäfts. Die neue Eigentümergruppe plant, Rogacki bereits vor 2028 wieder im Berliner Alltag sichtbar zu machen. Geplant sind ausgewählte Produkte im Einzelhandel und Online-Handel, neue kulinarische Konzepte an verschiedenen Orten der Stadt sowie weitere Formate, die das historische Erbe der Marke mit einem modernen Berlin verbinden sollen.

Außerdem arbeitet das Unternehmen an einem Rogacki-Kochbuch, in dem bekannte Persönlichkeiten traditionelle Rezepte vorstellen und nachkochen. Parallel dazu sollen erste Produkte der Marke wieder erhältlich werden, sodass Berliner nicht bis zur Eröffnung des neuen Stammhauses auf Rogacki-Spezialitäten warten müssen.
Nach Angaben der neuen Eigentümer soll das künftige Stammhaus die Geschichte der Marke bewahren, gleichzeitig aber zeitgemäß weiterentwickeln. Damit entsteht nicht einfach eine Kopie des alten Rogacki, sondern ein neu interpretiertes Feinkost- und Genusskonzept, das Tradition und moderne Berliner Esskultur miteinander verbinden soll.
Sollte das Projekt wie geplant umgesetzt werden, könnte Berlin im Jahr 2028 nicht nur die Rückkehr einer traditionsreichen Feinkostmarke erleben, sondern auch die Entstehung eines neuen kulinarischen Wahrzeichens, das an fast 100 Jahre Berliner Genussgeschichte anknüpft.