Berlin versteht es, historische Orte mit jahrzehntelanger Stadtgeschichte neu zu beleben. So wurde aus dem ehemaligen Quelle-Kaufhaus eine moderne Markthalle mit zahlreichen Restaurants, und eine der ältesten Hochgaragen Europas verwandelte sich in einen angesagten Food-, Event- und Design-Hub. Doch damit enden die großen Transformationsprojekte der Hauptstadt noch lange nicht. Auch der Bierpinsel in Steglitz, eines der außergewöhnlichsten Bauwerke Berlins, steht vor einer neuen Zukunft. Ursprünglich war die Wiedereröffnung bereits für 2025 geplant, inzwischen wird jedoch frühestens mit einer Fertigstellung in den Jahren 2028 oder 2029 gerechnet.

Die futuristische Architektur-Ikone erhebt sich direkt an der Schloßstraße auf 47 Meter Höhe und prägt die Skyline des Berliner Südwestens seit fast 50 Jahren. Das markante Bauwerk wurde zwischen 1972 und 1976 nach Plänen der Architekten Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte errichtet, die auch für das ICC Berlin bekannt sind. Ursprünglich wurde der Turm als spektakuläres Turmrestaurant konzipiert. In mehreren Ebenen befanden sich ein Café, ein Restaurant sowie weitere gastronomische Bereiche mit Panoramablick über Berlin. Schon kurz nach der Eröffnung entwickelte sich das Gebäude zu einem der auffälligsten Wahrzeichen West-Berlins.
Seinen Spitznamen verdankt das Bauwerk seiner ungewöhnlichen Form. Die tragenden Stahlkonstruktionen erinnern an die Borsten eines Rasierpinsels. Da das Gebäude gastronomisch genutzt wurde, entstand daraus der Name „Bierpinsel“. Heute gilt der Bierpinsel als eines der bedeutendsten Beispiele futuristischer Pop-Architektur der 1970er Jahre in Deutschland. Seit 2017 steht das Gebäude unter Denkmalschutz.

Früher gab es dort ein Bier- und Weingewölbe, ein Steakhaus, ein Turm-Café und später verschiedene Nutzungen wie Bar, Diskothek oder Sportsbar. Danach folgten Leerstand, Sanierungsprobleme und mehrere gescheiterte Anläufe.
Zahlreiche Wiederbelebungspläne wurden angekündigt, aber nie umgesetzt. Die zuletzt kommunizierte Wiedereröffnung für 2025 gilt inzwischen als überholt. Aktuell verfolgt der Eigentümer ein neues Nutzungskonzept. Geplant sind drei Büro- beziehungsweise Coworking-Etagen sowie eine öffentlich zugängliche Gastronomieebene. Damit soll der Bierpinsel künftig nicht nur ein architektonisches Wahrzeichen sein, sondern auch als moderner Arbeits- und Begegnungsort dienen. Die ursprünglich diskutierte Nutzung als reiner Gastro- und Kultur-Hotspot spielt inzwischen eine deutlich kleinere Rolle.