Berlin ist mit seiner beeindruckenden Architektur – vom „Wal am Brandenburger Tor“ bis zu zahlreichen historischen Wahrzeichen – bereits außergewöhnlich gut aufgestellt. Doch auch in Zukunft gibt es in der City einiges, worauf man sich freuen kann. Das neue Rathaus soll auf dem nördlichen Teil des Areals rund um das Haus der Statistik an der Otto-Braun-Straße und damit unmittelbar am Alexanderplatz entstehen. Langfristig soll es den heutigen Rathausstandort des Bezirks Mitte in der Karl-Marx-Allee 31 ersetzen und verschiedene bislang über Berlin-Mitte verteilte Verwaltungsbereiche an einem Ort zusammenführen.

Geplant ist dabei ausdrücklich kein klassisches Verwaltungsgebäude, das nach Feierabend seine Türen schließt. Das „Rathaus der Zukunft“ soll Verwaltung, Politik, Kultur, Bildung und Gastronomie unter einem Dach verbinden und große Teile des Gebäudes für Berliner:innen zugänglich machen.F ür das Projekt wurde 2024 ein europaweiter Architekturwettbewerb gestartet. In der ersten Phase gingen 157 Entwürfe ein. Davon wählte die Jury 20 Teams für die zweite Wettbewerbsphase aus. Im April 2025 setzte sich schließlich der Entwurf des Dresdner Atelier Schmelzer Weber Architekten gemeinsam mit Storch Landschaftsarchitektur, BfB und IPROconsult durch.
Die Jury lobte insbesondere die zurückhaltende, elegante Architektur, die Einbindung in das Ensemble rund um das Haus der Statistik und die starke Öffnung des Gebäudes für die Öffentlichkeit. Seit dem Wettbewerb wurde der Entwurf weiterentwickelt. Der aktuelle Planungsstand, der Ende August 2026 öffentlich präsentiert wurde, sieht einen 16-geschossigen Hochpunkt vor. Im Wettbewerbsentwurf waren es noch 18 Geschosse. Die aktuelle Bruttogrundfläche liegt bei rund 31.000 Quadratmetern. Damit soll neben den bestehenden Hochhäusern am Alexanderplatz ein weiterer markanter Bau entstehen, der sich gleichzeitig in das Quartier rund um das Haus der Statistik einfügt.

Besonders interessant ist das Nutzungskonzept. Die unteren drei Geschosse sollen stark öffentlich geprägt sein. Im Erdgeschoss sind unter anderem ein Bürgerbüro und eine Kantine vorgesehen. Darüber sollen Ausstellungsflächen und eine Stadtteilbibliothek entstehen. Erst oberhalb dieser öffentlichen Ebenen beginnen die regulären Bürobereiche der Verwaltung. Die Bibliothek soll dabei weit mehr als ein Raum mit Bücherregalen werden. Vorgesehen sind unter anderem eine Kinder- und Jugendbibliothek, ein Makerspace und Jugendlabore. Ein großes Atrium mit Sitztreppe soll die verschiedenen öffentlichen Ebenen miteinander verbinden.
Schon im ursprünglichen Raumprogramm war sogar von einer 24/7-Bibliothek die Rede. Ob diese Rund-um-die-Uhr-Öffnung in der endgültigen Umsetzung tatsächlich bestehen bleibt, würde ich zum jetzigen Planungsstand allerdings noch nicht als garantiert darstellen. Das Innere soll möglichst offen wirken. Ein großes Atrium zieht sich durch den öffentlichen Sockel des Gebäudes und verbindet mehrere Ebenen miteinander. Große Treppen und Aufenthaltsbereiche sollen dafür sorgen, dass sich das Rathaus weniger wie ein gewöhnliches Behördengebäude und stärker wie ein öffentliches Haus für den Bezirk anfühlt.
Das passt zum gesamten Konzept des neuen Quartiers. Auf dem Areal des Hauses der Statistik sollen Verwaltung, bezahlbares Wohnen, Kultur, Bildung, soziale Angebote und öffentliche Räume miteinander kombiniert werden.