Immer mehr Menschen kaufen Bio-Produkte ein und legen Wert auf die Herkunft ihrer Lebensmittel. Doch wo befinden sich eigentlich diese Biodörfer, aus denen unser Gemüse, unser Obst und unser Fleisch kommen? Viele wissen gar nicht, dass einer der bekanntesten Orte dieser Art näher an Berlin liegt, als man vermuten würde. Nicht nur beeindruckende Fleckchen wie das wildeste Naturgebiet oder der wasserreichste Ort Brandenburgs finden sich in unserer Umgebung, sondern auch eines der größten Bio-Dörfer Deutschlands. Das Ökodorf Brodowin ist ein bekanntes Bio-Landwirtschaftsprojekt in Brandenburg und gilt als einer der größten Demeter-Betriebe des Landes.

Es liegt im Dorf Brodowin, einem Ortsteil der Gemeinde Chorin im Landkreis Barnim, etwa 80 km nordöstlich von Berlin im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin. Seine Geschichte ist eng mit der deutschen Wiedervereinigung verbunden. Zu DDR-Zeiten befand sich in Brodowin eine LPG (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft). Nach der Wende übernahm eine Gruppe aus ehemaligen LPG-Mitgliedern, Wissenschaftlern und Öko-Pionieren die Flächen. 1991 wurde der Betrieb offiziell gegründet und vollständig auf ökologische Landwirtschaft umgestellt. Ziel war es, ein Modellprojekt für nachhaltige Landwirtschaft im Osten Deutschlands zu schaffen. Der Name „Ökodorf“ ist dabei etwas irreführend: Es handelt sich nicht um eine klassische alternative Kommune, sondern vielmehr um einen großen Bio-Landwirtschaftsbetrieb mit dörflichen Strukturen.

Der Betrieb des Ökodorf Brodowin gehört zu den größten biodynamischen Höfen Deutschlands. Mit einer landwirtschaftlichen Fläche von rund 1.200 bis 2.400 Hektar arbeitet er nach den Demeter-Richtlinien der biodynamischen Landwirtschaft und folgt dem Kreislaufprinzip: Boden – Pflanzen – Tiere – Menschen. Zum Betrieb gehören etwa 150 Milchkühe, rund 250 Milchziegen und etwa 2.400 Legehennen. Zusätzlich werden auf großen Feldern Gemüse und Getreide angebaut. Zu den typischen Produkten zählen Milch und Käse, Eier, Gemüse und Obst, Fleisch und Wurst sowie Honig, Kräuter und Säfte. Viele dieser Produkte werden über Bio-Kisten direkt nach Berlin und Brandenburg geliefert.
Das Ökodorf gilt als Demonstrationsbetrieb für ökologische Landwirtschaft. Zu den wichtigen Prinzipien gehören Fruchtwechsel und Gründüngung zur Bodenpflege, der Verzicht auf chemisch-synthetische Pestizide, artgerechte Tierhaltung sowie die Förderung der Biodiversität, etwa durch Lebensräume für Vögel und Insekten. Das Projekt gilt deshalb als Beispiel dafür, wie ökologische Landwirtschaft auch wirtschaftlich erfolgreich funktionieren kann.