Wenn jemand behauptet, dass Berlins U-Bahnstationen ranzig und wenig einladend aussehen, dann trifft das längst nicht auf alle zu. Denn einige haben sich ihren historischen Charme bewahrt und wirken heute fast wie kleine Museen, die uns sogar das Warten auf die nächste Bahn verschönern. Dazu gehört etwa der U-Bahnhof Klosterstraße mit einem historischen Triebwagen, Fliesen im babylonischen Stil, 22 Emaille-Tafeln und weiteren Relikten aus vergangenen Zeiten. Der eleganteste unter ihnen ist aber mit Abstand der U-Bahnhof Wittenbergplatz.

Der U-Bahnhof Wittenbergplatz wurde bereits 1902 eröffnet und gehört damit zu den ältesten U-Bahnhöfen Berlins. Er entstand im Zuge der ersten Berliner Hoch- und Untergrundbahn, wobei die ursprüngliche Station wesentlich kleiner war als die Anlage, die wir heute kennen. Zwischen 1911 und 1913 wurde der Bahnhof grundlegend erweitert. Verantwortlich dafür war Alfred Grenander, einer der bedeutendsten Architekten der Berliner U-Bahn. Er entwarf unter anderem die große Bahnsteighalle und das markante Empfangsgebäude, das bis heute das Erscheinungsbild des Wittenbergplatzes prägt.
Eine Besonderheit des Bahnhofs sind seine fünf Gleise an drei Bahnsteigen. Die für einen U-Bahnhof außergewöhnlich große Anlage entstand, weil Wittenbergplatz Anfang des 20. Jahrhunderts zu einem wichtigen Umsteigepunkt für mehrere Strecken ausgebaut wurde. Heute halten hier die Linien U1, U2 und U3, wodurch der Bahnhof nach wie vor ein bedeutender Verkehrsknotenpunkt der City-West ist.
Wer die Station betritt, bekommt schnell das Gefühl, ein Stück in der Zeit zurückzureisen. Gelbliche Fliesen, grüne Metallgeländer, historische Gestaltungselemente und alte Werbemotive erinnern an das Berlin vergangener Jahrzehnte. Viele historische Elemente wurden erhalten oder restauriert, weshalb sich der Bahnhof deutlich von moderner gestalteten Stationen unterscheidet. Die Anlage steht heute zudem unter Denkmalschutz und umfasst Bauphasen aus den Jahren 1902 bis 1903 sowie 1911 bis 1913.

Eine besonders ungewöhnliche Geschichte verbirgt sich hinter einem London-Underground-Schild, das bis heute im Bahnhof zu sehen ist. Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Berliner U-Bahn im Jahr 1952 schenkte die damalige London Transport Executive der BVG das Schild als Zeichen der Verbundenheit zwischen den Verkehrsbetrieben. Es wurde am 2. Juli 1952 offiziell übergeben und befindet sich auf Bahnsteig I. Damit handelt es sich nicht um nachträglich angebrachte London-Deko, sondern um ein echtes historisches Geschenk aus der britischen Hauptstadt.
Auch seine Lage macht den Wittenbergplatz zu einem besonderen Berliner Bahnhof. Wer das Empfangsgebäude verlässt, befindet sich mitten in der historischen City-West, unmittelbar an der Tauentzienstraße und direkt beim KaDeWe. Das repräsentative Empfangsgebäude gehört heute zu den charakteristischen Bauwerken der Gegend.