Auf die Bahn zu warten, ist normalerweise kein besonders ereignisreiches Erlebnis. Man steht herum, hört Musik, telefoniert oder wartet einfach darauf, dass der nächste Zug einfährt. Doch eine Berliner U-Bahn-Station sorgt dafür, dass dabei garantiert keine Langeweile aufkommt. Der U-Bahnhof Klosterstraße wurde am 1. Juli 1913 eröffnet und gehört heute zur Linie U2. Entworfen wurde die Station vom schwedischen Architekten Alfred Grenander, der das Erscheinungsbild zahlreicher historischer Berliner U-Bahnhöfe maßgeblich geprägt hat. Doch die Klosterstraße ist weit mehr als eine gewöhnliche Haltestelle: Gleichzeitig dient sie als kleine kostenlose Ausstellung zur Berliner Verkehrsgeschichte, bei der es zwischen Bahnsteigen und Gleisen einiges zu entdecken gibt.

Der Bahnhof entstand als Teil der zwischen 1906 und 1913 gebauten Innenstadtstrecke zwischen Potsdamer Platz und Alexanderplatz und zählt heute zu den besonders gut erhaltenen Stationen dieser Epoche. Seit 1975 steht der U-Bahnhof Klosterstraße unter Denkmalschutz. Ein großer Teil seiner heutigen außergewöhnlichen Gestaltung entstand allerdings erst während der DDR-Zeit. Zwischen 1984 und 1986 wurde die Station im Vorfeld der 750-Jahr-Feier Berlins umfassend restauriert. Dabei wurden unter anderem noch vorhandene Kriegsschäden beseitigt. Gleichzeitig entstand die Idee, den Bahnhof in ein „erfahrbares Museum“ zur Geschichte des Berliner Nahverkehrs zu verwandeln.
Eine Besonderheit sind die ehemaligen Werbeflächen des Bahnhofs. Während der Restaurierung in den 1980er-Jahren entschied man sich, diese Flächen für eine historische Ausstellung zu nutzen. Seit 1986 befinden sich hier insgesamt 22 Emailletafeln, die im Schilderwerk Beutha hergestellt wurden. Auf den Tafeln werden verschiedene historische Verkehrsmittel gezeigt, anhand derer sich die Entwicklung des Berliner Nahverkehrs nachvollziehen lässt. Wer heute auf die U2 wartet, kann sich damit gleichzeitig durch verschiedene Epochen der Berliner Verkehrs- und Stadtgeschichte bewegen.

Das wohl auffälligste Ausstellungsstück befindet sich direkt zwischen den Treppen des Bahnhofs. Dort steht das Vorderteil des Triebwagens 12 der ehemaligen Schöneberger Untergrundbahn aus dem Jahr 1910. Das historische Fahrzeug wurde für die Ausstellung in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt und im November 1985 im Bahnhof aufgestellt. Bevor der Wagen zum Museumsstück wurde, war er tatsächlich noch im Einsatz. Unter anderem diente er für Überführungsfahrten zwischen den beiden Ost-Berliner U-Bahn-Linien. Nach einem Unfall wurde das Fahrzeug 1982 ausgemustert. Ein Teil des Wagenkastens blieb jedoch erhalten und bekam wenige Jahre später seinen heutigen Platz im Bahnhof Klosterstraße.
Eine weitere Besonderheit findet sich im südlichen Zugangsbereich. Dort befinden sich die sogenannten „Babylonischen Palmen“, farbige Wanddekorationen, deren Gestaltung auf babylonische Vorbilder aus der Zeit König Nebukadnezars II. zurückgeht. Auch dieses Gestaltungselement stammt von Alfred Grenander und gehörte bereits zum ursprünglichen Bahnhof von 1913.