Wenn man an Ausflugsziele rund um Berlin denkt, fällt vielen wahrscheinlich zuerst der Spreewald ein – auch bekannt als das „deutsche Venedig“. Ob beim Brunch während einer Kahnfahrt oder bei saisonalen Veranstaltungen und Festen im Freilandmuseum: Hier gibt es einiges zu erleben. Tatsächlich ist es 2026 aber eine andere Region, die besonders stark an Beliebtheit gewonnen hat. Das Lausitzer Seenland ist im ersten Halbjahr 2026 die am stärksten wachsende Reiseregion Brandenburgs. Von Januar bis Juni stieg die Zahl der Übernachtungen dort gegenüber dem gleichen Zeitraum 2025 um 10,4 %. Keine andere der Brandenburger Reiseregionen verzeichnete einen stärkeren prozentualen Zuwachs.

Das ist besonders auffällig, weil sich der Tourismus in Brandenburg insgesamt etwas schwächer entwickelte: Im ersten Halbjahr kamen rund 2,5 Millionen Gäste, die etwa 6,3 Millionen Übernachtungen verbuchten – insgesamt etwas weniger als im Vorjahreszeitraum. Das Lausitzer Seenland entwickelt sich damit entgegen dem landesweiten Trend deutlich positiv. Auch gegenüber dem Spreewald ist die Entwicklung interessant. Der Spreewald verzeichnete im selben Zeitraum einen Rückgang der Übernachtungen gegenüber 2025, während das Lausitzer Seenland um 10,4 % zulegte.
Die Seenlandschaft ist zu großen Teilen vom Menschen geschaffen. Wo früher Braunkohle abgebaut wurde, entstehen heute durch Flutung neue Seen. Dadurch entstand eine völlig neue Wasserlandschaft mit großen Seen, Stränden, Häfen, Radwegen und Wassersportmöglichkeiten. Zu den bekannten Seen gehören unter anderem der Senftenberger See, Geierswalder See, Partwitzer See, Sedlitzer See und Großräschener See. Mehrere Seen sind über schiffbare Kanäle miteinander verbunden beziehungsweise sollen Teil eines zusammenhängenden Gewässernetzes werden.

Seit dem 29. Juni 2026 hat das Lausitzer Seenland eine weitere Besonderheit: Erstmals sind fünf große Seen zu einem zusammenhängenden Wasserrevier verbunden. Der Senftenberger See, der Geierswalder See, der Partwitzer See, der Sedlitzer See und der Großräschener See sind über schiffbare Kanäle miteinander verbunden. Dadurch können Besucher mit dem Boot von einem See zum nächsten fahren, ohne es zwischendurch aus dem Wasser holen zu müssen. Der neue Fünf-Seen-Verbund verfügt über eine zusammenhängende Wasserfläche von etwa 5.300 Hektar. Langfristig sollen sogar zehn Seen über schiffbare Kanäle miteinander verbunden werden.
Mittlerweile erinnert die ehemalige Bergbauregion stellenweise eher an eine Küstenlandschaft. Rund um die Seen entstanden Sandstrände, Marinas, Häfen, Strandbars, Ferienanlagen und schwimmende Häuser. Besonders der Stadthafen von Senftenberg vermittelt mit seiner Seebrücke, Restaurants, Cafés und zahlreichen Booten beinahe maritimes Flair.