Die Gegend rund um Berlin ist nicht gerade von vielen religiösen Bauten geprägt. Zwar finden wir einige besondere Schlösser und Burgen aus der Kaiserzeit, aber Kloster erinnern meist eher an Süddeutschland. Dabei gibt es eine bedeutende Ausnahme: Das Kloster Neuzelle wird oft als das „Barockwunder Brandenburgs“ bezeichnet. Es gehört zu den größten Barock- und Kunstdenkmalen Ost- und Norddeutschlands. Mit seiner bedeutenden Architektur ist es eines der wenigen Beispiele für prachtvollen bayerisch-böhmischen Barock in Norddeutschland und ein künstlerisches Meisterwerk, das Besucher:innen bis heute fasziniert.
Ein Liebeskloster, das der Reformation standhalt
Das Kloster Neuzelle wurde 1268 von Markgraf Heinrich den Erlauchten aus dem Hause Wettin gestiftet. Der Adelige mit dem schönen Namen hatte dabei eine ganz bestimmte Absicht: Er wollte ein Gedenken an seine verstorbene Frau Agnes errichten. Über Jahrhunderte gehörte das Kloster den Zisterzienser. Es überdauerte sogar die Reformation. Eine echte Besonderheit dabei ist, dass Neuzelle die Reformation als katholische Insel in einem protestantischen Umfeld überstand. Erst 1817 wurde das Kloster durch den preußischen Staat säkularisiert.
Das Klostergelände ist heute eine beeindruckende Mischung aus Architektur, Kunst und Gartenbau: Die Stiftskirche St. Marien war ursprünglich eine gotische Hallenkirche. Sie wurde im 17. und 18. Jahrhundert von italienischen und böhmischen Meistern radikal barockisiert. Daher ist sie heute auch so schön anzusehen. Hier findet ihr Stuck, Deckenmalereien und einen monumentalen Hochaltar.
Der Klostergarten ist der einzige Barockgarten in Brandenburg, der nach historischem Vorbild rekonstruiert wurde. Er erstreckt sich über fünf Terrassen und bietet einen weiten Blick in die Oderniederung. Und auch das himmlische Theater ist eine weltweit einzigartige Besonderheit. Dabei handelt es sich um spätbarocke Passionsdarstellungen, die das Leiden Christi in bühnenartigen Szenen zeigen. Sie werden in einem eigens dafür errichteten Museumsbau präsentiert.
Kloster Neuzelle heute: Yoga zwischen Mönch-Kultur

Ein neues Kapitel schlug das Kloster Neuzelle im Jahr 2018 auf: Genau 200 Jahre nach der Aufhebung kehrten Zisterziensermönche aus dem Stift Heiligenkreuz in Österreich zurück. Sie gründeten das Priorat Neuzelle. Da das historische Klostergelände heute einer staatlichen Stiftung gehört und touristisch sowie kulturell genutzt wird, planen die Mönche derzeit einen Klosterneubau im nahegelegenen Ortsteil Treppeln.
Ein Besuch in Neuzelle solltet ihr euch aus den genannten architektonischen Highlights nicht entgehen lassen, aber auch kulinarisch ist hier bestens für euch gesorgt. Das Café im Barockgarten hat in der Sommerzeit für euch geöffnet. Immer wieder ist das Kloster auch Schauplatz für verschiedene Veranstaltungen. Besucht das Klostermuseum, macht eine Taschenlampenführung oder Yoga im Klostergarten. Der Veranstaltungskalender ist gut gefüllt!