Kunst gibt es in Berlin wie Sand am Meer, und spannende, wechselnde Ausstellungen lassen sich das ganze Jahr über entdecken. Doch wo kann man zeitgenössische Kunst in einer besonders außergewöhnlichen Kulisse bewundern? Einer dieser Orte ist das KINDL – Zentrum für zeitgenössische Kunst, das sich in einem ehemaligen Brauereikomplex im Rollbergkiez in Berlin-Neukölln befindet.

Es handelt sich bei dem KINDL nicht um eine gewöhnliche Galerie, sondern um eine monumentale ehemalige Brauerei aus den 1920er-Jahren. Seit 2016 wird der historische Gebäudekomplex dauerhaft als Ausstellungshaus für internationale Gegenwartskunst genutzt. Heute treffen hier denkmalgeschützte Industriearchitektur, riesige historische Braukessel und moderne Kunst aufeinander. Das KINDL versteht sich nicht nur als Ausstellungshaus, sondern auch als Produktions- und Diskussionsort für zeitgenössische Kunst. Insgesamt stehen mehr als 1.600 Quadratmeter Ausstellungsfläche zur Verfügung. Gezeigt werden unter anderem Installationen, Skulpturen, Malerei und Videoarbeiten sowie Einzel- und Gruppenausstellungen internationaler Künstler.
Die Geschichte des Standorts reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück. Bereits 1872 gründete eine Gruppe Berliner Gastwirte in Rixdorf, dem heutigen Neukölln, die „Vereinsbrauerei Berliner Gastwirte zu Berlin AG“. Daraus entwickelte sich später die bekannte Berliner Kindl-Brauerei. Der heute erhaltene und denkmalgeschützte Gebäudekomplex entstand zwischen 1926 und 1930 nach Plänen der Architekten Hans Claus und Richard Schepke. Der monumentale Industriebau wird architektonisch dem Expressionismus zugerechnet und prägt mit seiner markanten Backsteinarchitektur bis heute das Gelände.

Eines der spektakulärsten Elemente der ehemaligen Brauerei befindet sich im historischen Sudhaus. Dort stehen bis heute sechs riesige Sudpfannen aus Kupfer. Zur Zeit ihrer Errichtung galten sie nach Angaben des KINDL sogar als die größten Sudpfannen Europas. Das imposante Sudhaus wurde damals entsprechend als „Palast Berliner Bierkultur“ bezeichnet. Die riesigen Kupferkessel wurden erhalten und gehören heute zu den auffälligsten Spuren der industriellen Vergangenheit des Gebäudes. Dadurch lässt sich die ursprüngliche Funktion der heutigen Kunststätte auch fast 100 Jahre nach ihrer Errichtung noch unmittelbar erkennen.
Auch die Architektur selbst erzählt ein Stück Berliner Geschichte. Das Sudhaus wurde während des Zweiten Weltkriegs teilweise zerstört und Anfang der 1950er-Jahre wieder aufgebaut. Verantwortlich für den Wiederaufbau war der Architekt Gerhard Fritsche, der insbesondere für seine Kinobauten bekannt wurde und unter anderem auch am Berliner Zoo Palast beteiligt war. Das heutige KINDL vereint dadurch mehrere architektonische Epochen miteinander. Auf dem Gelände treffen der expressionistische Industriebau der späten 1920er-Jahre, Elemente aus der Nachkriegszeit und moderne Ergänzungen des 21. Jahrhunderts aufeinander.