Im Frühling treibt es uns alle hinaus in die Natur und die alten Dörfer Brandenburgs. Wir sehnen uns nach Ruhe und Einkehr, um danach mit frischem Mut die vielen tollen Dinge genießen zu können, die Berlin uns zu bieten hat!
Aber um eure Sehnsuchtsorte zu finden, müsst ihr Berlin nicht unbedingt verlassen. In diesem ersten von drei Artikeln (hier geht es zum zweiten Artikel) reisen wir gemeinsam in die Zeit des Berliner Malers und Architekten Karl Friedrich Schinkel.
Im Viktoriapark in Kreuzberg seht ihr die Spitze eines nie gebauten Doms

Wenn ihr euren Blick vom Fuß des Wasserfalls im Viktoriapark nach oben richtet, könnt ihr eine Turmspitze ausmachen. Doch der Blick von unten täuscht. Es ist keine Turmspitze, sondern das fast 20 Meter hohe, neogotische Nationaldenkmal für die Befreiungskriege (Kreuzbergdenkmal genannt), das durch Karl Friedrich Schinkel in Erinnerung an die deutschen Befreiungskriege errichtet wurde.
Ursprünglich war anstelle des Nationaldenkmals ein riesiger Dom geplant

Nach dem gewonnenen Krieg gegen Napoleon 1815 sollte ein riesiger “Befreiungsdom” in Berlin gebaut werden. Das war Architekt Schinkel wohl schon länger ein Anliegen. Seine Faszination von solch einem gigantischen Bauwerk zeigte sich schon lange, bevor der Krieg überhaupt gewonnen war.
In seinem Meisterwerk “Gotischer Dom am Wasser” zeigte Karl Friedrich Schinkel 1813 eine unglaubliche Szene, die selbst im Film schwer zu übertreffen wäre! Eine solch meisterhafte Darstellung sucht heute noch ihresgleichen.
Aber der preußische König war gegen einen solchen Mega-Bau: Er war einfach zu teuer nach dem langen Krieg gegen Napoleon. Es musste etwas Kleineres (und Kostengünstigeres) her.
Das Nationaldenkmal für die Befreiungskriege im Viktoriapark in Berlin Kreuzberg

Trotz Kürzungen ist das Denkmal beeindruckend. Fast 20 Meter hoch türmt es über den Kreuzberg. Damals entschied man sich, um weitere Kosten zu sparen, das Denkmal statt aus teurem, handgehauenem Stein aus Gusseisen anzufertigen. Dies sollte die Opferbereitschaft des Volkes symbolisieren, das zuvor sein Gold für Eisen spendete, um den Krieg zu finanzieren.
Ich persönlich wäre ja genervt, wenn ich Gold für Eisen gäbe und dann sehe, wie nach dem Krieg ein riesiges Denkmal aus Eisen in den Park gestellt wird. Aber damals war Eisen ein fortschrittliches Material! Eisen galt als ehrlich, hart und vaterländisch.
Schaut doch mal im Viktoriapark in Kreuzberg vorbei und blickt auf das Denkmal, das ein Dom hätte sein sollen!