Ein Denkmal vergangener Zeiten – und zugleich ein futuristisches Architekturwunder. Seit Jahren stillgelegt, gilt das Kongresszentrum ICC Berlin als einer der ikonischsten Lost Places der Hauptstadt. Vom 12. bis 14. September 2025 öffnet der sonst unzugängliche Bau im Rahmen einer besonderen Ausstellung für genau 49 Stunden seine Türen. Während im Berliner Umlande verlassene Sanatorien als Filmkulisse für „Der Pianist“ dienten oder Orte wie die Verbotene Stadt und „Klein Moskau“ Relikte der DDR-Zeit für Lost-Place-Fans bereithalten, könnt ihr diesmal mitten in der Stadt in eines der eindrucksvollsten Bauwerke der Nachkriegsmoderne eintauchen. 200.000 Quadratmeter – das entspricht 28 Fußballfeldern – und Baukosten in Milliardenhöhe sind dabei nur der Anfang.

Das ICC Berlin
In dem seit Jahren stillgelegten Kongresszentrum im Westen der Stadt ist der reguläre Zugang seit 2014 aufgrund von Asbestbelastung untersagt. Doch mit dem Event „49h ICC“ eröffnet sich nun eine seltene Gelegenheit für Neugierige und Architekturbegeisterte, das ikonische Gebäude von innen zu erkunden. Zwar wurde der Bau zwischendurch temporär genutzt – etwa 2021 für die Kunstausstellung „The Sun Machine Is Coming Down“ oder als Impfzentrum und Flüchtlingsunterkunft –, doch diesmal steht erstmals die Architektur selbst im Mittelpunkt.
Von Freitag, dem 12. September 2025, um 17 Uhr, bis Sonntag, dem 14. September 2025, um 19:30 Uhr, ist der freie Besuch des ICC im Originalzustand samt Ausstellung möglich. Exakt 49 Stunden lang können Besucher:innen durch die ursprünglich erhaltenen Innenräume dieses beeindruckenden Denkmals spazieren. Die Tickets sind kostenlos und berechtigen zu einem Aufenthalt von 1,5 Stunden – leider aber bereits ausgebucht! Ihr könnt euch noch Tickets zu fairen Preisen sichern – darunter eine architekturbezogene Tour mit Expertinnen für nur 5 €, eine geführte Tour mit Zeitzeuginnen oder eine Fototour mit Fotograf*innen für 12 €. Alle Touren dauern jeweils eine Stunde.

Architektur & Bau
Das ICC Berlin beeindruckt mit einer Gesamtfläche von über 200.000 Quadratmetern, verteilt auf 313 Meter Länge, 89 Meter Breite und rund 40 Meter Höhe. Errichtet wurde das monumentale Bauwerk zwischen 1975 und 1979; seine feierliche Eröffnung fand am 2. April 1979 statt. Das Raumangebot ist enorm: Insgesamt verfügt das ICC über rund 80 Sekundärräume sowie zwei große Hauptsäle. Saal 1 bot mit bis zu 5.000 Sitzplätzen seinerzeit den größten zusammenhängenden Veranstaltungssaal Deutschlands. Saal 2 bietet rund 4.000 Plätze. Bei Großveranstaltungen konnte das Gebäude insgesamt bis zu 20.000 Personen aufnehmen. Von der beeindruckenden Gesamtfläche sind etwa 30.000 Quadratmeter tatsächlich für Veranstaltungen nutzbar.
Die Baukosten für dieses technisch wie architektonisch aufwendige Projekt beliefen sich auf über 924 Millionen Deutsche Mark – inflationsbereinigt entspricht das heute mehreren Milliarden Euro. Mit seiner visionären Bauweise, hochmoderner Infrastruktur und unverwechselbaren Ästhetik wurde das ICC mehrfach ausgezeichnet – unter anderem mit dem Titel „Best Convention Centre of the Year“ in den Jahren 1984 bis 1986. Zwischen 2004 und 2009 erhielt es außerdem regelmäßig den renommierten World Travel Award als führendes Kongresszentrum Europas bzw. der Welt. Seit 2019 steht das ICC Berlin unter Denkmalschutz – als eines der markantesten architektonischen Zeugnisse der westdeutschen Nachkriegsmoderne.