Von versteckten Kunstwelten bis hin zu einzigartigen Gebäuden nach Plänen von Frank O. Gehry – Berlin hat einiges zu bieten, wenn es um Architektur, Kunst und Kultur geht. Dabei gibt es zahlreiche Bauten, an denen wir im Alltag vorbeigehen, ohne ihre Geschichten und architektonischen Besonderheiten zu kennen. Einer davon ist das Haus des Rundfunks an der Masurenallee in Berlin-Westend, direkt gegenüber dem Messegelände und nur wenige Schritte vom Funkturm entfernt.

Entworfen wurde das Gebäude von Hans Poelzig, einem der bedeutendsten deutschen Architekten der Moderne und des Expressionismus. Zwischen 1929 und 1931 errichtet, steht der monumentale Bau heute unter Denkmalschutz. Für seine Zeit war das Haus des Rundfunks ausgesprochen innovativ. Es gehörte zu den ersten großen Gebäuden weltweit, die von Anfang an speziell für die Anforderungen des Rundfunks konzipiert wurden. Dabei ging es Poelzig nicht allein um die äußere Gestaltung. Die gesamte Architektur wurde auf die technischen und akustischen Anforderungen des damals noch jungen Mediums abgestimmt.
Am 29. Mai 1929 wurde der Grundstein gelegt, Anfang 1931 konnte das Haus schließlich eröffnet werden. Der Rundfunk hatte sich in den Jahren zuvor so schnell entwickelt, dass die bisherigen Räumlichkeiten im Vox-Haus am Potsdamer Platz nicht mehr ausreichten.
Bereits die Dimensionen des Gebäudes sind beeindruckend. Die Hauptfassade entlang der Masurenallee erstreckt sich über mehr als 150 Meter. An ihren beiden Enden schwingen Seitenflügel nach hinten und verleihen dem Gebäude seinen ungewöhnlichen, annähernd dreieckigen Grundriss. Diese Form entstand keineswegs nur aus ästhetischen Gründen. Poelzig platzierte die großen Sendesäle geschützt im Inneren des Gebäudekomplexes und umgab sie mit Büros und weiteren Räumen. Dadurch konnten die Studios vom Verkehrslärm der umliegenden Straßen abgeschirmt werden. Architektur, Funktion und Akustik wurden hier von Anfang an gemeinsam gedacht.

Aus größerer Entfernung erscheint das Haus des Rundfunks zunächst dunkel, streng und monumental. Erst bei genauerem Hinsehen zeigt sich, wie aufwendig seine Fassade tatsächlich gestaltet ist. Die Grundfläche besteht aus blauschwarz changierenden Eisenklinkern. An der Hauptfassade werden diese dunklen Flächen von rotbraun glasierten Keramikplatten durchbrochen. Sie umrahmen die gelben Fenster und verleihen der langen Fassade eine auffällige vertikale Gliederung.
Gerade aus der Nähe entfaltet die glasierte Fassadenkeramik ihre besondere Wirkung. Abhängig vom Lichteinfall verändern sich Farbtöne, Reflexionen und die Wahrnehmung der Oberflächen. Die unterschiedlichen Materialien erzeugen bei Sonneneinstrahlung einen besonderen Widerschein, der die eigentlich massive und monumentale Fassade deutlich lebendiger erscheinen lässt.
Die Keramikplatten sind deshalb keineswegs einfach nur braun. Ihre Glasuren changieren in unterschiedlichen Nuancen und verändern ihre Wirkung je nach Licht und Perspektive. Zusammen mit den dunklen Eisenklinkern und den gelben Fensterrahmen entsteht ein ungewöhnliches Farbspiel, das man aus größerer Entfernung kaum wahrnimmt. Poelzig verband damit die funktionale Architektur der Moderne mit expressiveren Gestaltungselementen. Gerade die Nahansicht der Fassade zeigt, wie viel Farbe, Struktur und handwerkliches Detail in einem Gebäude steckt, das aus der Entfernung beinahe schwarz oder dunkelbraun erscheinen kann.