Das ICC, a.k.a. bekannteste Raumschiff Berlins, ist derzeit wegen Renovierungsarbeiten geschlossen. (Es gibt aber einen kostenlosen virtuellen Rundgang für alle Interessierten.) Auch das zweitbekannteste Raumschiff Berlins, das an die dystopische Zukunft von Blade Runner oder die Alienwelt von Dune erinnert, ist nur eingeschränkt der Öffentlichkeit zugänglich.
Aber es gibt ein drittes, weniger bekanntes Raumschiff, das weniger einem imperialen Schlachtschiff gleicht, sondern einem freundlichen UFO aus den 1960er Jahren: Am Südostufer der Spree schwimmt ein 8 m messendes Raumschiff auf einem Boot.
Ein Bergschiff auf der Spree: Das Futuro 13

Das Futuro Nr. 13 einen langen Weg hinter sich. Zwar kommt es nicht vom Mars, dafür aber aus dem hohen Norden. In Finnland konzipierte der Architekt Matti Suuronen (1933 – 2013) in den 60ern eine noch nie gesehene Skihütte. Diese sollte leicht reproduzierbar und per Hubschrauber in unzugängliche Bergregionen transportierbar sein.
Auf 36 m² hatten die Futuro-Kapseln mehr zu bieten als so manche Berliner Einzimmerwohnung heutzutage. Voll ausgestattet mit Küche, Betten, Dusche, Toilette, Chill-Out Area inklusive cozy Kamin! 1968 hatte eine Kapsel ca. 12.000 USD gekostet. Angepasst an die Inflation sind das stolze 112.000 USD.
Wenn das Futuro für die Berge kreiert wurde, wie ist die Kapsel dann in Berlin gelandet?

Die Welt war begeistert vom Futuro als neuem Wohnkonzept. Die Kapseln sollten in die Massenproduktion gehen. Aber die Ölkrise 1972 machte dem einen Strich durch die Rechnung. Plötzlich war die Produktion unrentabel und es gab politischen Widerstand gegen so viel Kunststoff. Statt Massenproduktion gab es nur die begrenzte Auflage der bereits hergestellten Kapseln.
Unsere Berliner Nr. 13 wurde erst in Hannover ausgestellt, von dort in die DDR gebracht und fand einen festen Platz im Spreepark Berlin (damals noch Kulturpark Plänterwald Berlin). Dort fungierte es als Musikzentrale und Fundbüro für den Vergnügungspark.
Das Futuro Nr. 13 wurde nach dem Mauerfall einfach vergessen

1991 wurde der Park nach westlichem Vorbild neu gestaltet. Das Futuro Nr. 13 wurde aussortiert und vergessen. Erst als eine ambitionierte Finderin 2001 das Potential der futuristischen Ruine entdeckte, wurde das finnische Raumschiff nach 10 Jahren Verfall zu neuer Schönheit renoviert und auf ein Boot verfrachtet.
Nicht nur ist die Kapsel heute ein AirBnB, wer die Spree entlang schlendert, wird mit etwas Glück von einem sonderbaren Anblick überrascht: Das Futuro Nr. 13 fährt auf dem Rücken eines Bootes auf dem Fluss spazieren.
Die beste Chance, dieses Spektakel zu sehen, hat man in der Nähe der Arena Berlin auf der Höhe des Badeschiffs. Das lohnt sich übrigens doppelt: In der Arena Berlin ist derzeit das Erlebnismuseum Bubble Planet. Was passt besser zum UFO-Spotting als ein Kurztrip auf einen fremden Planeten voller Bubbles, Illusionen und coolen Foto Ops?
Heute ist die Existenz von 40 weltweit verbleibenden Futuros bekannt

Eines steht vor der Pinakothek der Moderne in München (s. Bild oben). In Frankfurt wurde eine Kapsel in der Hälfte durchgeschnitten und knallgelb lackiert in die Hauswand eines Jugendhauses integriert. Ein anderes Futuro stand jahrelang auf dem Hausdach des verstorbenen Künstler Charles Wilp, bevor es laut dessen Website “als Chill-Out-Room für Forscher in der Arktis” diente.
(Obwohl das UFO auf dem Dach des Künstlers klar ersichtlich ein Futuro war, sind alle in der Arktis bekannten Häuser dieser Bauart keine Futuros, sondern sogenannte “Googie Huts”. Komisch… vielleicht hatten da Aliens ihre Finger im Spiel?)
Momentan können die originalen Gussformen der Futuro-Reihe in Finnland gekauft werden. Wenn ihr also 130.000 € auf der hohen Kante habt und noch ein Projekt für 2027 sucht: Warum nicht ein Futuro Haus bauen?