Clubs in Berlin sind so beliebt wie kaum anderswo – und entsprechend schwierig kann der Einlass sein. Beliebte Clubs bedeuten lange Schlangen vor der Tür, in denen sich Menschen für eine unvergessliche Nacht anstellen. Egal, ob ihr schon unzählige Male dort wart oder das Berghain noch als Punkt auf eurer Bucketlist habt: Einmal durch diese berühmte Tür zu kommen, gehört für viele zu den Dingen, die sie mindestens einmal im Leben erleben möchten. Und an wem müsst ihr dafür vorbei? Gelegentlich tatsächlich noch am bekanntesten Türsteher Berlins, Sven Marquardt. Während wir euch bereits sechs Tipps gegeben haben, die euch den Einlass erleichtern können, wollen wir diesmal genauer darauf eingehen, worauf es am Ende wirklich ankommt – und welcher Faktor entscheidender ist als alle anderen.

Sven Marquardt ist nicht nur als Türsteher des Berghains bekannt, sondern auch als Fotograf und Künstler. Er wuchs in Ost-Berlin auf und begann bereits in den 1980er-Jahren, Menschen aus der Punk- und New-Wave-Szene in Prenzlauer Berg zu fotografieren. Nach dem Mauerfall arbeitete er zunächst weiter als Fotograf und kam über die Berliner Clubszene zum Türsteher-Beruf. Als das Berghain 2004 eröffnete, begann Marquardt dort an der Tür zu arbeiten. Sein markantes Erscheinungsbild mit Gesichtstattoos und dunkler Kleidung ist inzwischen eng mit dem Mythos des Clubs verbunden. Gleichzeitig arbeitet er weiterhin als Fotograf und hat mehrere Fotobücher veröffentlicht.
Marquardt sagt ausdrücklich, dass die Entscheidung an der Tür subjektiv ist. Er erklärt außerdem, dass nur einige wenige Mitglieder seines Türteams überhaupt Gäste auswählen dürfen. Diese Türsteher müssten zunächst verstehen, wofür das Berghain steht. Danach gebe es keine festen Regeln, nach denen jeder Gast beurteilt werde. Laut Marquardt gibt es deshalb keinen offiziellen Katalog aus Kleidung, Alter, Sprache oder Verhalten, mit dem sich der Einlass sicherstellen lässt. Im Internet kursieren zwar zahlreiche Tipps, etwa früh zu kommen, Deutsch zu sprechen, sich unauffällig zu kleiden oder nicht in einer großen Gruppe zu erscheinen, doch Marquardt widerspricht der Vorstellung, dass solche Regeln den Einlass garantieren könnten. Für ihn bleibt die Entscheidung subjektiv. Marquardt hat außerdem erklärt, dass es bei der Auswahl nicht darum gehe, Menschen nach einem bestimmten Schönheitsideal zu beurteilen. Vielmehr soll eine bestimmte Mischung von Menschen im Club entstehen.

Mit seiner Türpolitik verbindet Marquardt auch eine Verantwortung gegenüber den Menschen, die den Club besuchen. Er sagt, dass er das Berghain als einen sicheren Ort für Menschen erhalten möchte, die dort wegen der Musik feiern und sich frei fühlen wollen. Die Gäste sollen für eine Weile Raum und Zeit vergessen und sich ganz auf das Erlebnis konzentrieren können.
Dabei spielt auch die Geschichte des Clubs eine Rolle. Das Berghain steht in der Tradition der Berliner Club- und queeren Szene der 1990er-Jahre. Für Marquardt gehört deshalb dazu, einen offenen und toleranten Ort zu bewahren. Er betont außerdem, dass es nicht darum gehen soll, möglichst viele attraktive oder besonders modisch gekleidete Menschen hineinzulassen. Stattdessen spielt für ihn die Vielfalt des Publikums eine wichtige Rolle. Unterschiedliche Menschen sollen aufeinandertreffen und gemeinsam den Charakter des Clubs prägen.
Das Zitat stammt aus dem Kontext des Dokumentarfilms „Berlin Bouncer“ von Regisseur David Dietl, der 2019 veröffentlicht wurde. Der Film begleitet drei bekannte Berliner Türsteher und beschäftigt sich mit ihrer Arbeit, ihrer Vergangenheit und ihrer Bedeutung für die Berliner Clubkultur.