Wer im November 1993 nach Waltersdorf wollte, brauchte Geduld: Als IKEA direkt hinter der Berliner Stadtgrenze das erste Möbelhaus in Ostdeutschland eröffnete, strömten Tausende Autos auf das Gelände. Manche Kundinnen und Kunden standen bis zu 40 Minuten im Stau, nur um den Parkplatz wieder zu verlassen. Drei Jahre nach der Wiedervereinigung war das mehr als eine Geschäftseröffnung. Westliche Möbel und westliches Einkaufserlebnis gab es nun auch im Osten, und der Andrang zeigte, wie groß die Neugier war.

1993: 13.200 Quadratmeter und 280 Beschäftigte
Das Haus in Waltersdorf, damals auf einer brandenburgischen Wiese gleich hinter der Stadtgrenze, startete mit 13.200 m² Verkaufsfläche und 280 Mitarbeitenden. Es war nach Spandau das zweite „Berliner“ IKEA. Dort hatte das schwedische Unternehmen schon im Februar 1979 das erste Möbelhaus West-Berlins eröffnet.
Das erste IKEA in Deutschland war bereits am 17. Oktober 1974 in Eching bei München an den Start gegangen. In den Siebzigern kamen in Westdeutschland acht weitere Filialen dazu, in den Achtzigern sechs. Nach der Wende zog IKEA dann auch nach Ostdeutschland, und Waltersdorf war 1993 eines der ersten Beispiele dafür.

2026: Noch immer am Stadtrand, noch immer voll
33 Jahre später steht das blau-gelbe Möbelhaus noch immer an derselben Stelle am südöstlichen Stadtrand. Inzwischen weist IKEA für den Standort 25.000 m² Verkaufsfläche aus, fast doppelt so viel wie zur Eröffnung.
Für viele Berlinerinnen und Berliner aus dem Süden und Osten der Stadt ist Waltersdorf bis heute das Ziel, wenn ein neues Regal oder Sofa fällt. Auch die Staus gehören weiter dazu: Auf dem Autobahnzubringer geht es häufig nur zäh voran.
Seitdem ist IKEA in Berlin gewachsen. Zwischen 1979 und 1993 gab es nur die beiden Häuser in Spandau und Waltersdorf. 2003 folgte die Filiale in Tempelhof am Sachsendamm, 2010 kam Lichtenberg an der Landsberger Allee hinzu. Mit 43.000 m² ist Lichtenberg heute das größte der Berliner Häuser, vor Spandau mit 36.300 m².
Wer am Wochenende nach Waltersdorf fährt, sollte also Zeit für die Anfahrt einplanen. Das war schon 1993 so, nur standen damals die Menschen zum ersten Mal Schlange, um in den Osten zu kommen und nicht mehr aus ihm heraus.