Wer am Berliner U-Bahnhof Schlesisches Tor unter der Hochbahntrasse der U1 steht, blickt auf ein kleines, achteckiges Gebäude aus grünem Gusseisen. Was heute Pilgerstätte für Foodies aus aller Welt ist, war über Jahrzehnte hinweg ein funktionaler Zweckbau der Berliner Stadtreinigung. In einem historisches Toilettenhäuschen aus der Zeit um 1900 befindet sich seit 20 Jahren der Burgermeister.
Ein steiniger Weg durch die Bürokratie

Die Geschichte von Burgermeister begann mit einer Vision des Gründers Cebrail Karabelli. Anfang der 2000er Jahre sah er das leerstehende, baufällige Häuschen und erkannte das Potenzial dieses ungewöhnlichen Standorts. Doch die Verwandlung von einer ehemaligen Bedürfnisanstalt in eine Lebensmittelstätte war ein bürokratischer Kraftakt, der heute fast legendär ist.
Der Prozess, die nötigen Genehmigungen zu erhalten, dauerte insgesamt fünf Jahre. Die Betreiber musste sich durch einen Dschungel aus Denkmalschutzauflagen, strengen Hygienevorschriften für Gastronomie auf engstem Raum und baurechtlichen Hürden kämpfen. Es galt zu beweisen, dass man in einem ehemaligen WC-Häuschen, das unter der U-Bahn-Trasse Wind und Wetter ausgesetzt ist, sicher und sauber Burger produzieren kann. 2006 war es schließlich so weit. Burgermeister am Schlesischen Tor eröffnete und veränderte die Berliner Imbisskultur nachhaltig.
Vom Geheimtipp zur bundesweiten Expansion

Die Kombination aus dem rauen Charme Kreuzbergs, der ungewöhnlichen Location und – vor allem – der hohen Qualität der Burger sprach sich schnell herum. Lange Schlangen wurden zum Markenzeichen des „Schlesi“. Der Fokus auf frisches Fleisch, hausgemachte Saucen und das ikonische Branding machten den Laden weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt.
Heute, rund 20 Jahre nach der ersten Idee, hat sich das Bild gewandelt. Was als mutiges Einzelprojekt in einem Kreuzberger Toilettenhäuschen begann, hat sich zu einem ernstzunehmenden Player auf dem deutschen Gastronomiemarkt entwickelt. Burgermeister ist längst kein lokales Phänomen mehr. Das Unternehmen expandiert mittlerweile mit zahlreichen Standorten in ganz Deutschland. Ob in anderen Berliner Bezirken oder in großen Metropolen wie Hamburg, Köln oder Frankfurt – das Konzept des „Meisters“ beweist, dass Qualität und eine starke Gründungsgeschichte auch außerhalb des Kreuzberger Kiez-Biotops funktionieren.
Vom belächelten „Klo-Burger“ zur nationalen Kette – die Geschichte von Burgermeister bleibt eines der beeindruckendsten Beispiele für Berliner Unternehmertum.