Berlin steht nicht nur ganz vorne, wenn es um Musik – und besonders Techno – geht, sondern auch in Sachen Kunst, ob modern oder klassisch. Weltweit renommierte Künstler präsentieren hier seltene Werke in umfangreichen Ausstellungen, oft in einem Rahmen, wie er zuvor noch nie zu sehen war. Dazu zählen etwa die Scharf Collection mit Arbeiten von Goya, Monet und Cézanne oder „Balkan Erotic Epic“ von Marina Abramović. Mit immer neuen, spannenden Ausstellungen kommt die Kunstszene der Hauptstadt kaum zur Ruhe – und ab morgen gibt es weiteren Zuwachs: Die erste große Brancusi-Werkschau in Deutschland seit über 50 Jahren läuft vom 20. März bis zum 9. August 2026 in der Neuen Nationalgalerie.

In Kooperation mit dem Centre Pompidou werden über 150 Werke präsentiert, darunter Skulpturen, Fotografien, Zeichnungen, Filme sowie selten gezeigte Archivmaterialien. Ein besonderes Highlight ist die Teilrekonstruktion seines legendären Ateliers, die erstmals seit 1957 außerhalb von Paris zu sehen ist.
Constantin Brancusi gilt als Pionier der modernen Skulptur und als Wegbereiter der Abstraktion. Geboren 1876 in Rumänien, entwickelte er ab 1907 in Paris seinen unverwechselbaren Stil. Seine Arbeiten zeichnen sich durch eine radikale Reduktion auf das Wesentliche aus, mit einem klaren Fokus auf Form, Material, Oberfläche und Licht. Seine Bildsprache wirkt organisch, minimalistisch und beinahe meditativ – stets getragen von der Suche nach dem idealen Ausdruck.
In der Ausstellung sind einige seiner bekanntesten Werke vertreten, darunter „Der Kuss“, eine stark reduzierte Darstellung von Intimität, „Vogel im Raum“, das Bewegung und Aufstieg symbolisiert, „Schlummernde Muse“, eine ruhige, nahezu perfekte Form, sowie die „Unendliche Säule“ als Sinnbild für Unendlichkeit.

Brancusi hat die Skulptur grundlegend neu gedacht, indem er sich bewusst vom Detail löste und auf die Essenz konzentrierte. Materialien wie Bronze, Stein oder Holz setzte er gezielt ein, wobei selbst die Sockel integraler Bestandteil seiner Werke wurden. Darüber hinaus nutzte er Licht, Bewegung sowie Fotografie und Film, um seine Arbeiten wirkungsvoll in Szene zu setzen. Was auf den ersten Blick schlicht erscheint, ist in Wahrheit hochkonzeptuell und präzise durchdacht.
Während Brancusi in Frankreich große Bekanntheit genießt, blieb er in Deutschland lange eher ein Geheimtipp und wurde vor allem von Kunstkenner:innen geschätzt. Die Ausstellung soll dazu beitragen, sein Werk hierzulande einem breiteren Publikum zugänglich zu machen.