Aus der Höhe beobachten macht bekanntlich am meisten Spaß. Erst von oben wird uns wieder bewusst, wie schön Berlin und Brandenburg eigentlich sind. Für spektakuläre Panoramablicke müssen wir oft gar nicht weit fahren – der Wolkenhain auf dem Kienberg bietet dafür nur einen Katzensprung vom Zentrum entfernt die perfekten Bedingungen. Wer jedoch einen Ort sucht, der nicht nur Aussichtspunkt, sondern zugleich geschichtsträchtiges Relikt und futuristisches Architekturprojekt ist, für den haben wir den ultimativen Tipp: Das Biorama Projekt gehört zu den außergewöhnlichsten Architektur- und Kulturprojekten Brandenburgs.

Was heute wie ein futuristischer Aussichtsturm mitten in der Schorfheide wirkt, war ursprünglich ein stillgelegter DDR-Wasserturm aus dem Jahr 1960. Nach Jahrzehnten des Leerstands entdeckten die Briten Sarah Phillips und Richard Hurding den Turm Anfang der 2000er zufällig bei einer Fahrradtour — und beschlossen, ihn in ein visionäres Kunst-, Architektur- und Naturprojekt zu verwandeln. Das Projekt liegt rund 70 Kilometer nordöstlich von Berlin direkt am Grimnitzsee im UNESCO-Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin.
Der denkmalgeschützte Turm ist etwa 21 Meter hoch und wurde vollständig umgebaut. Statt des früheren Wasserkessels entstand auf dem Dach eine spektakuläre 360-Grad-Aussichtsplattform. Besonders ikonisch ist der futuristische Glas- und Metallaufzug, der wie ein kleines „Spaceshuttle“ neben dem historischen Turm steht. Besucher erreichen die Plattform entweder über diesen barrierefreien Aufzug oder über eine Außentreppe mit 118 Stufen.

Der Name „BIORAMA“ setzt sich aus „Biosphäre“ und „Panorama“ zusammen. Genau darum geht es dem Konzept: Natur, Architektur, Kunst und nachhaltigen Tourismus miteinander zu verbinden. Die Aussicht reicht über riesige Waldlandschaften, Seen und die Schorfheide — bei klarem Wetter sogar bis zum Berliner Fernsehturm oder Richtung Polen.
Was das Projekt so besonders macht: Der Turm ist nicht nur Aussichtspunkt, sondern gleichzeitig Wohnhaus der beiden Gründer. Im Inneren entstanden auf mehreren Ebenen Wohnräume, Büros und Arbeitsbereiche mit insgesamt etwa 140 Quadratmetern Fläche. Dafür investierten die Besitzer selbst Hunderttausende Euro und erhielten zusätzlich EU-Fördermittel für die Umnutzung des historischen Bauwerks.
Neben dem Turm entwickelten Phillips und Hurding über die Jahre ein komplettes Kulturareal. Dazu gehört die sogenannte „Weiße Villa“, eine sanierte Villa aus dem späten 19. Jahrhundert, die heute für internationale Kunstausstellungen, Installationen, Konzerte und kulturelle Veranstaltungen genutzt wird. Viele Projekte beschäftigen sich mit Nachhaltigkeit, Natur oder regionaler Identität.