Ihr denkt, mit Schloss Sanssouci, Schloss Oranienburg und Schloss Boitzenburg sei das Wichtigste in Brandenburg bereits gesehen? Da irrt ihr euch. Die Liste historischer Gemäuer in dieser Region ließe sich nahezu endlos fortsetzen und jedes einzelne ist ein geschichtsträchtiges Juwel für sich. Damit ihr in dieser Jahreszeit nicht im großstädtischen Winterblues untergeht, haben wir heute ein weiteres Ziel in der Umgebung Berlins herausgesucht – und dieses steht den bekannteren Schlössern in Sachen Besonderheit in nichts nach. Das Alte Schloss Freyenstein in Brandenburg (Prignitz) gilt als eines der eindrucksvollsten, aber zugleich auch unterschätztesten Schlösser der Region.

Das Alte Schloss ist Teil einer größeren Schlossanlage, zu der ebenfalls das Neue Schloss sowie der Archäologische Park Freyenstein gehören. Eine erste urkundliche Erwähnung einer Burg an diesem Ort stammt aus dem Jahr 1332. Das heutige Schloss entstand in der Zeit zwischen 1551 und 1572, nachdem auf den Überresten einer mittelalterlichen Wasserburg eine repräsentative Renaissanceanlage errichtet worden war. Bauherr war Curdt von Rohr, der den Architekten Dominicus Parr mit der Errichtung im Stil der norddeutschen Renaissance beauftragte.
Während des Dreißigjährigen Krieges wurde das Schloss im Jahr 1631 zerstört und blieb zunächst als Ruine bestehen. In den folgenden Jahrhunderten diente das Gebäude unter anderem als Brauhaus und Branntweindestille, bevor es zunehmend verfiel. Erst in der Nachkriegszeit, insbesondere ab den 1960er Jahren, begannen umfangreiche Restaurierungsarbeiten. Heute steht das Alte Schloss unter Denkmalschutz und gilt als bedeutendes Zeugnis der regionalen Geschichte.

Die Architektur des Schlosses ist besonders bemerkenswert, da es sich um das Fragment einer Renaissance-Dreiflügelanlage mit unregelmäßigem Grundriss handelt. Besonders ins Auge fällt der reich verzierte Terrakottaschmuck, der Fassaden, Giebel und den Treppenturm schmückt. Dieser stammt vermutlich aus der Werkstatt des bekannten Terrakotta-Meisters Statius von Düren aus Lübeck. Die Terrakottaelemente zeigen florale Ranken, Grotesken sowie Bildnismedaillons, die historische Persönlichkeiten darstellen. Erhalten geblieben sind unter anderem Teile des Westflügels, ein Treppenturm sowie Mauerreste der Südfront.
Heute ist das Schloss eine Ruine, wird jedoch weiterhin touristisch genutzt. Im Inneren befinden sich kleinere Ausstellungen, beispielsweise zu Alltagsgegenständen aus dem 19. und 20. Jahrhundert, sowie ein Puppenmuseum im zweiten Obergeschoss. Die eindrucksvolle Kulisse des ehemaligen Renaissance-Schlosses dient außerdem als beliebter Ort für Trauungen in historischem Ambiente und für kulturelle Veranstaltungen.